Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, hat erstmals einen anderen Ton angeschlagen und die Ankündigungen von Kanzler Olaf Scholz (SPD) zu neuen Waffenlieferungen begrüßt. „Wir sind glücklich darüber, dass nun endlich Bewegung in die Sache gekommen und das Eis gebrochen ist“, sagte Melnyk der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten (Donnerstagsausgaben). „Gerade um das System Iris haben wir uns hinter den Kulissen seit fast drei Monaten bemüht.“

Scholz hatte im Bundestag am Mittwoch die Lieferung des modernen Luftverteidigungssystems Iris-T-SLM des Rüstungskonzerns Diehl sowie eines Ortungsradars angekündigt. Melnyk sagte den Zeitungen, er hoffe, dass das System im Sommer fertig produziert ist. Im August solle die Ausbildung starten und im Oktober der Einsatz beginnen. Der Wirtschaftswoche gegenüber gab Melnyk die Kosten mit 140 Millionen Euro pro Stück an. Elf weitere Systeme könnte die Ukraine zeitnah beziehen.

Melnyk: Erwarten noch Marder und Leopard 1

„Endlich können wir dem Bundeskanzler Scholz von Herzen sagen: Danke!“, sagte Melnyk. „Jetzt kann man wirklich von einer Zeitenwende für die Ukraine sprechen. Wir hoffen auf weitere moderne Waffensysteme aus Deutschland.“ Der ukrainische Botschafter zählt zu den schärfsten Kritikern der Bundesregierung und hat ihr in der Vergangenheit immer wieder zu große Zögerlichkeit in der Frage der Waffenlieferungen vorgeworfen. Scholz hatte kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar im Bundestag erklärt, der Angriff Russlands auf die Ukraine bedeute eine Zeitenwende in der deutschen Außenpolitik.

Die letzte Lieferung deutscher Waffen kam Melnyk zufolge am 3. Mai in der Ukraine an. Melnyk sagte den Zeitungen aus Stuttgart: „Auf der Tagesordnung bleiben für uns nach wie vor der Marder und der Leopard 1. Hier erwarten wir zügig grünes Licht seitens der Bundesregierung.“

Neben dem Luftabwehrsystem will Deutschland auch vier Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine liefern. Die Raketenwerfer vom Typ Mars II sollten aus Bundeswehr-Beständen kommen und möglichst bis Ende Juni bereitgestellt werden, hieß es am Mittwoch aus Regierungskreisen.