England: Tödlicher Angriff auf Tory-Abgeordneten als Terrorakt eingestuft

Der Politiker David Amess wurde östlich von London mit einem Messer attackiert. Er erlag seinen Verletzungen. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest.

Der britische Abgeordnete Sir David Amess wurde Opfer einer Messerattacke.
Der britische Abgeordnete Sir David Amess wurde Opfer einer Messerattacke.AFP/Richard Townshend/UK Parliament

London-Die britische Polizei geht bei dem tödlichen Angriff auf den Abgeordneten David Amess von einem islamistischen Hintergrund aus. „Erste Ermittlungen haben ein mögliches Motiv im Zusammenhang mit islamistischem Extremismus ergeben“, erklärten die Behörden am Freitag. Sie haben den Angriff als Terrorakt eingestuft. Derweil forderten britische Abgeordnete eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen für Politiker bei öffentlichen Veranstaltungen.

Der Konservative Amess war während einer Bürgersprechstunde in einer Methodisten-Kirche in der Kleinstadt Leigh-On-Sea in seinem Wahlkreis östlich von London erstochen worden. Die örtliche Polizei erklärte, sie sei gegen Mittag wegen des Messerangriffs alarmiert worden und habe vor Ort einen 25-jährigen Verdächtigen festgenommen. Der 69-jährige Abgeordnete wurde demnach von Notärzten versorgt, erlag aber seinen Verletzungen.

Leigh-on-Sea: Streifenpolizisten und Beamte der Spurensicherung sind am Tatort im Einsatz.
Leigh-on-Sea: Streifenpolizisten und Beamte der Spurensicherung sind am Tatort im Einsatz.dpa/PA Wire/Yui Mok

Mehrere britische Medien berichteten unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen britischen Staatsbürger mit somalischen Wurzeln handeln soll. Die Polizei machte zunächst keine näheren Angaben, die Ermittlungen befänden sich noch in einem „sehr frühen Stadium“.

Der Brexit-Befürworter und Tierschützer Amess saß seit 1983 im britischen Unterhaus. Nach der Tat wurden die Fahnen vor dem britischen Parlament in London auf Halbmast gesetzt. Am Freitagabend nahmen rund 100 Menschen in einer Kirche in Leigh-on-Sea an einer Gedenkfeier für den Vater von fünf Kindern teil.

Wegen Todesnachricht: Boris Johnson bricht Kabinettsausflug ab

Premierminister Boris Johnson brach einen Kabinettsausflug nach Bristol ab und kehrte in den Regierungssitz Downing Street zurück. „Unsere Herzen sind voller Schock und Trauer“, sagte er. Johnson würdigte seinen getöteten Parteikollegen als „einen der freundlichsten, nettesten und sanftmütigsten Menschen in der Politik“.

Von mehreren Seiten kamen bereits Beileidsbekundungen für Amess. Johnsons Frau Carrie schrieb auf Twitter: „Absolut schreckliche Neuigkeiten über Sir David Amess. Er war enorm freundlich und gut. Ein riesiger Tierliebhaber und ein echter Gentleman. Das ist so ungerecht. Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Kindern.“

Vize-Premier Raab: „Er war ein Wahlkämpfer mit großem Herz“

Vize-Premierminister Dominic Raab würdigte den erstmals 1983 ins Unterhaus gewählten Amess als „Politiker mit gesundem Menschenverstand und einen Wahlkämpfer mit großem Herz und enormer Großzügigkeit – einschließlich für die, die nicht einer Meinung mit ihm waren“. Unterhaussprecher Lindsay Hoyle zeigte sich „schockiert und zutiefst getroffen“. Der Vorfall werde „Schockwellen durch die parlamentarische Gemeinschaft und das ganze Land senden“, so Hoyle auf Twitter.

Es ist nicht die erste Attacke auf einen britischen Abgeordneten

Wenig bekannt ist bisher über den mutmaßlichen Täter. Die Polizei spricht lediglich von einem 25-Jährigen. Der Fall erinnert an den Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox im Jahr 2016. Cox wurde bei einer Bürgersprechstunde in ihrem Wahlkreis von einem Rechtsextremisten angegriffen und starb an ihren Verletzungen. Der Mord ereignete sich nur wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum.