Köln - Manchmal salzte Alfred Biolek nach. Doch wenn er in der Küche seiner Kölner Wohnung, die mit kaum nennenswerten Veränderungen zu einem veritablen Fernsehstudio umfunktioniert worden war, den Kochlöffel schwang, ging es weniger um das perfekte Gericht, sondern um die Vorstellung seiner wechselnden Gäste. Schauspieler, Kollegen, Politiker, prominente Zeitgenossen aller Art, denen man allerhand zutrauen mochte, aber nicht gerade ein Coq au Vin. Gemeinsames Brutzeln als Lockerungsübung für gefällige Gespräche.

„Alfredissimo“, so hieß die berühmteste und langlebigste Kochshow des deutschen Fernsehens, war geprägt von der eleganten Nachrangigkeit des Würzens, Erhitzens und Abschmeckens. Das Gewöhnliche als das Besondere zu zeigen, war das Geheimnis dieser unprätentiösen Show. Kochen kann eine Kunst sein, muss es aber nicht. Alfred Biolek erwies sich dabei als Meister des beiläufigen Geredes, von dem man nicht genug bekommen konnte. Natürlich ging es dabei immer auch um Geschmack, als einer der größten Unterhalter seiner Branche hatte sich Alfred Biolek früh in den Dienst des Publikumsgeschmacks gestellt, ohne jemals die eigenen Vorstellung von Anspruch und Niveau zu verraten.

Aber anders als ein guter Koch, der seine Rezepte wie ein kostbares Geheimnis hütet, lag die Rezeptur des Fernsehmannes Biolek für alle offen zutage. Er brachte seinen Gästen, darunter berühmte Künstler, aber auch Politiker wie Helmut Kohl und Michail Gorbatschow, ehrliches Interesse entgegen und schien ihnen durch seine Jovialität und Offenheit stets auch das Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln.

Der journalistische Impuls, seinem Gegenüber mit unerbittlichem Killerinstinkt zu begegnen, war ihm wesensfremd. Alfred Biolek entlockte seinen Gesprächspartnern nur, was sie auch preiszugeben bereit waren. Aber natürlich konnte es in behaglicher Atmosphäre, die Biolek stets wie einen weichen Teppich auszurollen in der Lage war, auch passieren, dass ihren Mündern mehr entwich, als ihnen lieb sein mochte. Denn trotz aller Geschmeidigkeit, die manche fälschlicherweise als seicht bezeichneten, war Alfred Biolek natürlich auch ein Medienmann und Journalist.

Alfred Biolek war zunächst Justiziar beim ZDF

1934 im tschechischen Karviná geboren, wuchs er dort mit zwei Brüdern in einer katholisch-bürgerlichen Familie auf, der Vater Joseph Biolek war Jurist. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Vater Biolek und sein Sohn Alfred kamen vorübergehend in Haft. Nach ihrer Freilassung siedelte die Familie ins baden-württembergische Waiblingen um, wo Joseph Biolek fortan als Rechtsanwalt arbeitete.

Der Beruf des Vaters schien dem Sohn zunächst eine Verpflichtung zu sein. Nach dem Abitur im Jahre 1954 studierte Alfred Biolek Jura in Freiburg, München und Wien, widmete sich aber bereits während des Studiums auch seinen künstlerischen Neigungen und gründete mit anderen Kommilitonen das Studenten-Kabarett „Das trojanische Pferd“.

Anfang der 60er-Jahre arbeitete Alfred Biolek zunächst als Justiziar in der Rechtsabteilung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), schon bald aber übernahm er redaktionelle Aufgaben und moderierte Informationssendungen wie „Tipps für Autofahrer“ und „Urlaub nach Maß“. Erste Berührung mit Unterhaltungsformaten bekam er über die ZDF-Nachmittagssendung „Drehscheibe“, mit der in den sich spürbar auflockernden 70er-Jahren eine solide Mischung zwischen Information und Glamour versucht wurde.

Rosa von Praunheim outete ihn in einer RTL-Sendung

Durch den beruflichen Wechsel zur Produktionsfirma Bavaria Film nach München kam Alfred Biolek in Kontakt mit der Schwabinger Bohème, in der insbesondere die Begegnung mit dem rastlosen Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder seinem Leben eine Wende gab. Alfred Biolek bekannte sich zu seiner Homosexualität und lebte diese privat auch. Zum öffentlichen Outing kam es aber erst 1991 durch den Filmemacher Rosa von Praunheim in der RTL-Sendung „Explosiv – der heiße Stuhl“. Biolek gestand später, dass ihm dieses Outing sehr weh getan habe, bei ihm zugleich aber eine dauernde Verspannung gelöst habe.

Alfred Biolek, der zunächst erfolgreich als Mann im Hintergrund bei Showproduktionen wie Rudi Carrells „Am laufenden Band“ gewirkt hatte, prägte später wie kaum ein anderer den Moderationsstil von Talkshows. Ab Mitte der 70er-Jahre moderierte er gemeinsam mit dem Radio-Journalisten Dieter Thoma den legendären „Kölner Treff“, anschließend perfektionierte er seinen Stil in der ersten Sendung, die seinen Namen trug: „Bios Bahnhof“, später folgte „Boulevard Bio“. Seine große Kunst ging vor allem aus seiner Fähigkeit hervor, zu seinen Gästen eine intime Nähe aufzubauen und ihnen den Eindruck zu vermitteln, mit ihm allein in einer stillen Ecke zu sitzen. Biolek gelang es auf besondere Weise, die Affirmation von dem Verdacht der puren Anbiederung zu befreien. Seine große Leidenschaft aber gehörte den verschiedenen Bereichen der Show- und Kleinkunst. Alfred Biolek war ein großer Scout und Entdecker, der eine unbändige Freude daran hatte, neue Talente für seine Show ausfindig zu machen.

Er wurde zum Tausendsassa des Showgeschäfts

Mit dem Erfolg kam auch das Gespür für unternehmerische Aktivtäten. Er beteiligte sich am Kölner Restaurant „Alter Wartesaal“ in unmittelbarer Nähe des Kölner Hauptbahnhofs und war in der Firma Pro GmbH für das Künstlermanagement seiner Kollegen Dirk Bach und Ralph Morgenstern zuständig. Biolek war nun ein Tausendsassa des Showgeschäfts und engagierte sich in verschiedenen karitativen Projekten, im Jahr 2000 wurde er zum UN-Sonderbotschafter für Weltbevölkerung ernannt.

Nach einem Sturz im Jahr 2010, nach dem er einige Zeit im Koma lag und von dem er sich nur langsam erholte, zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er wurde von seinem langjährigen Freund Scott Ritchie unterstützt, den er 2014 adoptiert hat. Am Freitag ist Alfred Biolek im Alter von 87 Jahren in seiner Kölner Wohnung gestorben.