Corona-Test in Israel.
Foto: dpa/XinHua/Gil Cohen Magen

JerusalemDie Israelische Gesellschaft für Infektionskrankheiten hat am Sonntag davor gewarnt, dass das Land kurz davor stehe, die Kontrolle über die Coronavirus-Epidemie zu verlieren. In einem Brief an das Gesundheitsministerium schrieb Miri Weinberger, Leiterin der Gesellschaft, dass in Israel nicht nur die Anzahl der Fälle nach oben gehe, sondern auch das Alter der Infizierten. Dies sei ein Indikator dafür, dass Patienten stärker betroffen sein könnten.

„In den letzten zwei Wochen hat die Anzahl der täglichen Infektionen mit dem Coronavirus dramatisch zugenommen. In den vergangenen Tagen hat auch das Alter der diagnostizierten und im Krankenhaus aufgenommenen Personen zugenommen“, zitiert die „Times of Israel“ aus Weinbergers Brief. „Wir sind dabei, die Kontrolle über die Epidemie in Israel zu verlieren. Wir stehen kurz vor dem Punkt ohne Wiederkehr, an dem es zu Masseninfektionen und Belastungen schwerkranker Patienten kommen wird.“ Anfang der Woche müsse deshalb dringend mit Maßnahmen begonnen werden, so Weinberger.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist der Erreger Sars-CoV-2 bisher bei 23.497 Menschen in Israel nachgewiesen worden, 318 sind gestorben. Am Samstag war die bisher jüngste Patientin gestorben, eine 19-Jährige, die allerdings an Vorerkrankungen gelitten hatte.

Der Brief enthielt eine Reihe von Empfehlungen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender Kan. Darunter sind die Verbesserung der Tests und der Kontaktverfolgung, ein erhöhter Schutz für medizinisches Personal, eine Bestandsaufnahme wirksamer Arzneimittel zur Behandlung und ein Mehrjahresplan dazu, wie mit Epidemien umgegangen werden sollte.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag, dass Israels „Coronavirus-Kabinett“ zusammentreten werde, um einige Beschränkungen für Versammlungen angesichts der zunehmenden Infektionen sowie eine verstärkte Durchsetzung der Vorschriften wieder einzuführen. Netanjahu habe die Behörden zudem angewiesen, den Zeitrahmen für die epidemiologische Untersuchung neuer Corona-Fälle auf 48 Stunden zu reduzieren, hieß es in einer Stellungnahme seines Büros. Es dürfe nicht länger dauern vom Moment der Diagnose bis zur Information aller Kontaktpersonen, die in Quarantäne gehen müssten. Außerdem müssten Corona-Testzeiten auf zwölf Stunden reduziert werden.