Berlin - Politikerinnen verschiedener Parteien haben anlässlich des sogenannten Equal Pay Days das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen kritisiert. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen in Deutschland immer noch fast ein Fünftel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen“, sagte Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke). Insbesondere Frauen würden die Arbeit in jenen systemrelevanten Berufen in Pflege und Einzelhandel erledigen, über die seit Beginn der Corona-Pandemie geredet würde – oft mit schlechter Bezahlung und unter schwierigen Arbeitsbedingungen.

Ähnlich äußerte sich Edelhaut Töpfer, Landesvorsitzende der Frauen-Union der CDU Berlin: Weil sich Kurzarbeitergeld, Elterngeld und Arbeitslosengeld an der Höhe des bisherigen Einkommens bemessen, hätten Frauen in der Pandemie besonders große finanzielle Einbußen erfahren. Maren Jasper Winter, frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion in Berlin, forderte, soziale Berufe besser zu entlohnen, und rief dazu auf, Zahlen zum Verdienstunterschied in Behörden und landeseigenen Unternehmen regelmäßig zu veröffentlichen.

Frauen verdienten voriges Jahr 18 Prozent weniger als Männer

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) machte auf die ungleiche Bezahlung aufmerksam. „Der Umgang mit der zusätzlichen Sorgearbeit in der Corona-Pandemie war für Frauen in der Bundesrepublik ein gleichstellungspolitischer Rücksturz um Jahrzehnte“, sagte Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB in Berlin und Brandenburg. Bereits nach dem ersten Lockdown hätten zwei Drittel der Frauen angegeben, sich alleine um die zusätzliche Betreuung ihrer Kinder gekümmert zu haben.

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um im Schnitt auf das gleiche Jahresgehalt wie ihre männlichen Kollegen zu kommen. In diesem Jahr fällt er auf den 10. März. Mit einer Differenz von 10 Prozent ist die geschlechtsspezifische Lohnlücke in Berlin noch verhältnismäßig klein: Bundesweit verdienten Frauen im Jahr 2020 rund 18 Prozent weniger als Männer.