Berlin - Ein lachender Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beim Besuch im vom Unwetter heimgesuchten Erftstadt in Nordrhein-Westfalen hat bei der SPD für empörte Reaktionen gesorgt. „Ich bin wirklich sprachlos“, schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Samstagnachmittag auf Twitter und verlinkte auf ein in den Online-Netzwerken kursierendes Video. Darin lacht Laschet im Hintergrund zusammen mit Umstehenden, während ein sichtlich betroffener Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Betroffenen in der Katastrophenregion Solidarität und Hilfe verspricht.

SPD-Vizechef Kevin Kühnert schrieb auf Twitter: „Eine Frage des Charakters“. Steinmeier und Laschet, der sich für die Union um die Kanzlerschaft bewirbt, hatten sich zuvor gemeinsam ein Bild von der Lage im schwer getroffenen Ort Erftstadt gemacht. Beide dankten dort den Einsatzkräften. Laschet versprach, das Land Nordrhein-Westfalen werde „alles dafür tun“, um Direkthilfe für die Betroffenen zu organisieren.

Am Abend entschuldigte sich Laschet dann via Twitter: „Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben“, schrieb der Kanzlerkandidat der Union. „Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid.“

Es gibt auch ein Video-Statement von Armin Laschet, das Frank-Walter Steinmeier im Hintergrund zeigt. Steinmeier folgt hier offensichtlich auch nicht den Worten Laschets, sondern scherzt mit einer Kollegin über andere Dinge.

Hasnain Kazim merkt zu dieser ganzen Aufregung über den lachenden Laschet an, dass es auch in Zeiten schwerer Katastrophen ein Segen sei, wenn Menschen ihren Humor behalten.

In Erftstadt hatte die über die Ufer getretene Erft zahlreiche Häuser unterspült und zum Einsturz gebracht; bei Erdrutschen stürzten mehrere Häuser und Teile einer historischen Burg ein. Besonders stark betroffen ist der Stadtteil Blessem.