Warschau - An der polnisch-belarussischen Grenze ist erneut ein toter Migrant gefunden worden. Der Iraker sei bereits der zehnte Migrant, der seit Sommer im Grenzgebiet gestorben sei, berichteten polnische Medien am Montag. Auf der polnischen Seite der Grenze gilt seit Wochen ein Ausnahmezustand. Warschau wirft dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, absichtlich Migranten in die EU zu schleusen, um so politischen Druck auszuüben.

In einer Erklärung des belarussischen Grenzschutzes hieß es, der Mann sei am Freitag auf polnischem Staatsgebiet gestorben, nachdem er zuvor die Grenze aus Belarus überquert habe. Polnische Grenzschützer hätten andere Migranten gezwungen, die Leiche des Irakers zurück auf die belarussische Seite der Grenze zu bringen.

Polnischer Grenzschutz weist die Anschuldigungen zurück

Der Sprecher des polnischen Grenzschutzes wies diese Darstellung zurück. „Wenn sich ein solcher Vorfall auf der polnischen Seite ereignet hätte, hätte der polnische Grenzschutz darüber informiert“, sagte er der Zeitung Gazeta Wyborcza. Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP reagierte der polnische Grenzschutz zunächst nicht.

In den vergangenen Monaten sind Tausende Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten über Belarus in die EU-Staaten Polen, Lettland und Litauen gekommen. Die EU beschuldigt den belarussischen Machthaber Lukaschenko, Migration zu instrumentalisieren, um auf diese Weise Vergeltung für Brüsseler Sanktionsbeschlüsse zu üben.

Die EU hatte nach der von massiven Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen Jahr und dem anschließenden brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen die Minsker Führung verhängt.

Belarussische Sicherheitskräfte sollen Flüchtlinge über die Grenze zwingen

Für Migranten, die im polnisch-belarussischen Grenzgebiet gestrandet sind, ist die Situation auch angesichts der zunehmend winterlichen Temperaturen verheerend. Viele der Menschen geben an, von belarussischen Sicherheitskräften zum Grenzübertritt nach Polen gezwungen zu werden. Polnische Grenzschützer schicken Migranten demnach teils gewaltsam zurück nach Belarus.

Am Freitag hatte das polnische Parlament endgültig grünes Licht für den Bau einer umstrittenen befestigten Grenzanlage an der Grenze zu Belarus gegeben. Die Barriere soll sich auf einer Länge von mehr als 100 Kilometern entlang der östlichen EU-Außengrenze erstrecken. In den vergangenen Wochen hatte Warschau als Reaktion auf die steigende Zahl von Migranten bereits Tausende Soldaten an der Grenze stationiert, einen Stacheldrahtzaun errichtet, den Ausnahmezustand im Grenzgebiet verhängt und sogenannte Pushbacks legalisiert.