Die Bewohner von Pflegeheimen sind durch den Eigenanteil an ihren Pflegekosten weiterhin stark belastet. Zum 1. Januar mussten die Pflegebedürftigen bundesweit durchschnittlich 2179 Euro im Monat zuzahlen, erklärte der Verband der Ersatzkassen (vdek) am Donnerstag. Der Anteil sei damit gegenüber dem Vorjahr um 111 Euro gestiegen. „Die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen bleibt ein ernstzunehmendes Problem“, urteilte der vdek.

Es gebe in diesem Jahr zwar durch politische Maßnahmen eine gewisse Entlastung. Diese könne aber „durch steigende Löhne und bessere Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen wieder neutralisiert werden“, möglicherweise bereits 2023. „Wir müssen die Entwicklung bei den Eigenanteilen genauestens beobachten“, erklärte der vdek-Vorsitzende Uwe Klemens. „Gegebenenfalls sind dann weitere Maßnahmen zur Begrenzung erforderlich.“

Sozialverband Deutschland: Ampel ist umgehend gefordert

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte ein sofortiges Eingreifen der Politik. „Die finanziellen Belastungen sind für viele pflegebedürftige Rentner*innen nicht mehr aus ihrer Rente finanzierbar“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Nachdem die große Koalition jahrelang tatenlos zugeschaut hat, ist jetzt die ‚Ampel‘ umgehend gefordert.“

„Schon jetzt zeigt sich, dass die gerade erst in Kraft getretenen Änderungen der Pflegeversicherung den 820.000 Heimbewohner kaum etwas bringen wird“, monierte auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. „Denn erneut sind die Kosten für die reine Pflege und Betreuung um rund neun Prozent gestiegen. Auch in den nächsten Jahren muss mit Erhöhungen gerechnet werden.“

Der Pflegeanteil an den Zuzahlungen der Pflegeheimbewohner - laut vdek aktuell im Schnitt 912 Euro im Monat - müsse komplett übernommen werden, sagte Brysch der Nachrichtenagentur AFP. „Für Unterbringung, Verpflegung und überdurchschnittlichen Komfort“ sollte hingegen jeder selbst aufkommen.

Gürpinar: Regierung muss vom Beobachten ins Handeln kommen

Der Linke-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar verwies auf den Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung, wonach die Auswirkungen der zum 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Regelung zu prozentualen Zuschüssen zu den Eigenanteilen beobachtet werden sollen. Mit den neuen Daten sei „klar, dass die Regierung vom Beobachten ins Handeln kommen muss“, urteilte Gürpinar.

„Wir brauchen wirksame Entscheidungen für Menschen mit Pflegebedarf“, forderte er. „Immer mehr Menschen können sich gute Pflege nicht leisten, müssen sich verschulden oder geraten in die Sozialhilfe. Menschen mit Pflegebedarf müssen endlich entlastet werden.“