BerlinNach neun Jahren Verspätung und sechs geplatzten Terminen soll es dieses Mal endlich klappen. Wenn alles gut geht, landen am 31. Oktober gegen 14 Uhr in Schönefeld zwei Maschinen von Lufthansa und Easyjet. Ihre Passagiere werden die ersten regulären Fluggäste sein, die das neue Terminal betreten. 

Bislang machte der BER vor allem durch peinliche und teils unglaubliche Planungs- und Baufehler internationale Schlagzeilen. Hunderte Firmen arbeiteten mit, den Verantwortlichen entglitt die Kontrolle, Streit kam hinzu.

Die größten Peinlichkeiten am BER

  • DAS LICHT GEHT NICHT AUS: Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, wo nach Umplanungen immer wieder angeflickt wurde.
  • DIE ROLLTREPPEN SIND ZU KURZ: Zwei feste Treppen folgten am Bahnhofsausgang auf die Rolltreppen, sie waren zu kurz bestellt worden. Über den Austausch wurden Flughafen und Bahn lange nicht einig.
  • DER RAUCH MUSS DURCH DEN KELLER: Bei Feuer geht ein Teil des Rauches durch den Keller nach außen. Das sorgte für Spott, ist wegen des Unterdrucks aber möglich. Die Anlage war über die Jahre aber so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Lösung: Aufteilung und Abluftkamine im Dach.
  • DIE TÜREN SIND FALSCH NUMMERIERT: Jeder dritte der 4000 Räume im Terminal trug nach Umplanungen eine falsche Nummer - und war etwa für Rettungsdienste nicht zu finden. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.
  • IM TERMINAL HERRSCHT KABELSALAT: Mit den Erweiterungen in der Bauphase kamen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen, was wegen Hitzebildung riskant sein kann. Kabel führten auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser. Teilweise fehlten Pläne.
  • VERTRAULICHE UNTERLAGEN IM MÜLL: Ordnerweise Baupläne lagen 2014 in einem Abfallcontainer auf offener Straße in Berlin. Es gab auch Hochstapelei und Schmiergeld-Affären am BER.
  • MONITORE LAUFEN UND LAUFEN: 750 Bildschirme im BER waren jahrelang in Betrieb, zeigten Flugziele und Schalternummern, bis die Monitore schrottreif waren und entsorgt wurden.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup beziffert die bisherigen Baukosten für den BER zuletzt zudem auf 5,96 Milliarden Euro - dreimal so viel wie 2006 vorgesehen. Jetzt blickt Berlin hoffnungsvoll nach Hamburg. Das neue Konzerthaus der Hansestadt kann es mit neun Jahren Bauzeit und verzehnfachten Kosten mit dem BER aufnehmen. Doch heute überwiegt das Staunen über den atemberaubenden Bau.

„Es wird zu einer ähnlichen Situation kommen wie mit der Elbphilharmonie“, sagte der Regierende Bürgermeister Müller der dpa. „Wenn die Leute den Flughafen erleben, wie er funktioniert, dann wird auch sehr schnell die Leidensgeschichte in der Bauphase vergessen sein.“