Berlin - Dem Bundestag werden fortan erstmals zwei transidente Bundestagsabgeordnete angehören. Nyke Slawik war für die Grünen im NRW-Wahlkreis Leverkusen angetreten. Zwar verlor die 27-Jährige ihr Direktmandat an den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der das Mandat deutlich mit 45,6 Prozent gewann. Die grüne Kandidatin kam nur auf 11,3 Prozent, sie stand allerdings auf Platz 11 der grünen NRW-Landesliste. Am Wahlabend stand fest, dass Slawik der kommenden grünen Bundestags-Fraktion angehören wird. Auf Twitter erklärte die Politikerin offen, dass sie sich auf Bundesebene eine Koalition mit der SPD wünscht. 

Tessa Ganserer gewann Kopf-an-Kopf-Rennen mit SPD-Kandidatin

Auch die zweite transidente Bundestagsabgeordnete hat ein grünes Parteibuch: Tessa Ganserer aus Nürnberg. Auch sie zieht über eine grüne Landesliste ein. Im Wahlkreis Nürnberg-Nord hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könnte die 44-Jährige sogar den Platzhirsch CSU in Bedrängnis bringen. Dazu ist es nicht gekommen, das Mandat hat der christsoziale Sebastian Brehm mit 28,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Ganserer hat aber das Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer SPD-Konkurrentin Gabriela Heinrich mit 22,6 Prozent Erststimmen für sich entschieden, Heinrich kam auf 21,9 Prozent.

Im November 2018 hatte sich Tessa Ganserer als Landtagsabgeordnete als transsexuell geoutet und für ihren Mut viel Anerkennung über die Queer-Community hinaus erfahren. Ganserer sagte dem BR, sie habe ein „super Ergebnis“ eingefahren, das sei ein Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft. 

SPD-Kanzlerkandidat Scholz will Selbstbestimmungsgesetz unterstützen

Im Bundestag gab es bisher nur einen transidenten Abgeordneten, der sich aber erst nach seiner Amtszeit outete: Christian Schenk, der bis 2002 für die PDS im Parlament saß, allerdings während seiner Zugehörigkeit zum Bundestag als Frau angesprochen wurde.

Die Grünen waren 2021 mit einem Gesetzesvorstoß zu einer Abschaffung des sogenannten Transsexuellengesetzes gescheitert, nicht zuletzt, weil die SPD-Fraktion ihre Zustimmung verweigerte. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat allerdings in einer Wahlkampf-Veranstaltung angekündigt, ein Selbstbestimmungsgesetz zu unterstützen, das transidenten Personen demütigende Gutachten ersparen würde. Tessa Ganserer lehnt eine derartige Begutachtung auch für sich selbst ab. Auf dem Wahlzettel stand sie deshalb unter seinem längst abgelegten männlichen Vornamen Markus. Der weibliche Vorname Tessa war allerdings in Klammern beigefügt.