Erstmals nach 43 Jahren: Frauen kehren in Irans Stadien für Ligaspiel zurück

Im Iran haben Frauen erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 ein Ligaspiel besucht. Die Öffnung ist auch Folge des Todes von „Blue Girl“ Sahar Khodayari.

Im Iran haben Frauen erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 ein Ligaspiel besucht.
Im Iran haben Frauen erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 ein Ligaspiel besucht.IMAGO/Rouzbeh Fouladi

Als Kapitän Hossein Hosseini nach dem Heimsieg des iranischen Fußball-Meisters Esteghlal Teheran in die Fankurve ging, bot sich dem Torhüter ein ungewohntes Bild. Frauen mit blauen Perücken auf dem Kopf, Vuvuzelas in der Hand oder blau-weißer Schminke im Gesicht sangen und feierten ihren Klub. Einige der Anhängerinnen hatten mehr als 40 Jahre lang auf diesen Moment gewartet.

„Das ist ein historisches Ereignis“, schrieb die Tageszeitung Hamshahri über die Partie am Donnerstag gegen Mes Kerman. Sie meinte weniger das 1:0 des populärsten Klub des Landes als das Geschehen auf den Rängen im riesigen Azadi Stadium. Denn erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 durften Frauen ein Ligaspiel besuchen - nicht zuletzt, weil der Weltverband FIFA zuletzt massiven Druck auf den iranischen Verband ausgeübt hatte.

Etwa 500 Frauen betraten über einen separaten Eingang das Stadion, wo ihnen ein eigener Block zur Verfügung gestellt worden war. Vorausgegangen war eine teils unübersichtliche Ticketvergabe. Die Organisation Open Stadiums, die seit Jahren für die Zulassung von Frauen in iranischen Stadien kämpft, kritisierte, dass ein Kauf nur online unter Angabe der Ausweisnummer möglich gewesen sei und so eine „Vorauswahl“ habe stattfinden können.

Bislang war Frauen der Stadionbesuch mit Verweis auf die vulgären Parolen der Männer und den Anblick nur teilweise bekleideter Spieler verboten. Im Januar aber waren weibliche Fans wieder zu einem Länderspiel zugelassen worden. Der Druck war seit dem Tod von Sahar Khodayari im September 2019 enorm gestiegen. Die als „Blue Girl“ bekannt gewordene Esteghlal-Anhängerin hatte als Mann verkleidet ein Spiel besucht, wurde verhaftet und zündete sich vor ihrem Prozess an. Khodayari starb eine Woche später.

Die FIFA erhöhte daraufhin den Druck und forderte den Verband Anfang August in einem Brief auf, zum Saisonstart auch Frauen zuzulassen. Inwieweit die Öffnung des Azadi-Stadions eine Folge des Schreibens ist, blieb offen. Bei den übrigen Begegnungen der Liga waren keine Frauen zugelassen, laut Innenminister Ahmad Vahidi müssen die kleineren Stadien noch „vorbereitet“ werden. Derzeit dürfen wegen Corona ohnehin nur 30 Prozent der Plätze besetzt werden.

Ein kleiner Schritt ist zumindest gemacht. „Wir freuen uns, dass ihr hier seid“, schrieb Esteghlal bei Twitter unter ein Foto, auf dem der Frauen-Block zu sehen war. Und auch Schlussmann Hossein Hosseini genoss die ungewohnte Unterstützung und posierte nach dem Schlusspfiff vor dem Frauen-Block für Fotos - mit zwei erhobenen Daumen.