Hamburg - Nach der Vorstellung eines Gutachtens zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten.

„Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden, biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben“, sagte Heße am Donnerstag in einer persönlichen Erklärung. Der Strafrechtler Björn Gercke hatte dem früheren Personalchef im Erzbistum Köln elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Dabei handele es sich unter anderem um Verstöße gegen die Melde- und Aufklärungspflicht.

Heße: „Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt“

Heße musste sich in seiner Funktion als Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester auseinandersetzen. Heße bestritt bisher die bereits in anderem Zusammenhang gegen ihn erhobenen Vorwürfe. „Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt“, sagte Heße. Er sei aber dennoch bereit, seinen Anteil für das Versagen des Systems zu tragen. Er war am 14. März 2015 als Erzbischof nach Hamburg gewechselt.

Gercke legte am Donnerstag ein 800 Seiten starkes Gutachten vor. Die Auswertung der Akten von 1975 bis 2018 habe unter anderem ergeben, „dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen“, kritisierte er.