Magere sechs Punkte bekam der deutsche ESC-Kandidat Malik Harris in der Nacht zum Sonntag beim Finale des Eurovision Song Contests. Und diese auch nur vom Publikum –von der Jury gab es keinen einzigen Punkt für Harris' Song „Rockstars“. Schon im Vorfeld hatten die Wetten der Buchmacher auf Malik Harris schlecht gestanden. Doch dass es so wenige Punkte sein würden, hatte der 24-Jährige aus Bayern selbst nicht erwartet.

„Natürlich bin ich enttäuscht, wenn man nicht so viele Punkte holt. Ich weiß auch nicht, woran es gelegen hat“, sagte Harris nach der Show der Bild-Zeitung. Und weiter: „Ich weiß nur, dass der ESC seine eigenen Gesetze schreibt, die oft gar nicht so viel mit Musik zu tun haben.“

Harris: Habe mir gewünscht, dass die Ukraine gewinnt

Harris freut sich allerdings für den ESC-Sieger Ukraine: „Ich bin wirklich sehr, sehr froh, dass die Ukraine gewonnen hat, weil ich mir das so gewünscht habe“, sagte Harris in der ARD. „Ich habe so gefeiert, dementsprechend war das ein schöner Abend.“

Harris hatte sich bereits am Ende seines Auftritts solidarisch mit der Ukraine angesichts des russischen Angriffs auf das Land gezeigt. Er drehte vor internationalem Publikum seine Gitarre um. Auf der Rückseite war eine Ukraine-Fahne zu sehen mit der Aufschrift „Peace“ (Frieden).

Ihm sei öfter gesagt worden, dass er „kein Statement machen darf“, sagte Harris über seine Aktion. Nach der letzten Probe vor dem Finale habe er die Fahne auf die Gitarre geklebt. „Ich bin sehr froh, das gemacht zu haben. Das fühlt sich sehr, sehr gut an.“

Das waren die ESC-Finalisten 2022

  • 01 TSCHECHISCHE REPUBLIK mit We Are Domi („Lights Off“): Radiotauglicher Popsong mit Anklängen an die frühen 1980er Jahre. Das Lied handelt davon, sich nach einem Liebes-Aus zu verändern.
  • 02 RUMÄNIEN mit WRS („Llámame“): Elektro-Popsong. Gesungen auf Spanisch und Englisch geht es in dem Song um eine verbotene Liebe. Dass WRS auf Spanisch singt, ist eine Erinnerung an seine Kindheit, denn zu Hause guckten seine Mutter und Großmutter oft spanische Telenovelas im Fernsehen.
  • 03 PORTUGAL mit Maro („Saudade, Saudade“): Leise Pop-Ballade zum Zurücklehnen. Die Sängerinnengruppe um Maro singt über Sehnsucht (Sabaude) und wie das Gefühl einer Trennung auf ihnen wiegt.
  • 04 FINNLAND mit The Rasmus („Jezebel“): Rockiges Radio-Lied mit Anlehnung an einen Horror-Clown in der Performance. Die Band des 2003er-Hits „In the Shadows“ singt in leicht veränderter Besetzung als damals über eine mysteriöse, unmoralische Frau (Jezebel).
  • 05 SCHWEIZ mit Marius Bear („Boys Do Cry“): Einfühlsame Ballade. Musiker statt Mechaniker: Bear brach seine Ausbildung ab und studierte Musikproduktion. In seinem Lied besingt er den kleinen Jungen in jedem Mann - und ja: Jungs weinen auch.
  • 06 FRANKREICH mit Alvan & Ahez („Fulenn“): Genre-Mix aus Techno und traditionellen Instrumenten. Die Band singt nicht auf Französisch, sondern auf Bretonisch. Das Lied handelt von einem mystischen Naturwesen.
  • 07 NORWEGEN mit Subwoolfer („Give That Wolf A Banana“): Elektro-Pop-Song. Der Text erinnert an Rotkäppchen und den bösen Wolf, denn die Band empfiehlt in dem Spaß-Song, dem Wolf eine Banane zu geben, bevor er die Großmutter frisst.
  • 08 ARMENIEN mit Rosa Linn („SNAP“): Gefühlvoller Gitarren-Song zum Schunkeln mit Anmutungen an das bekannte Lied „Home“. Linn singt darüber, wie sie Gedanken an eine vergangene Liebe wach halten.
  • 09 ITALIEN mit Mahmood und Blanco („Brividi“): Ballade mit hoch gesungenen männlichen Stimmen und Mitgröl-Faktor. Das Lied auf Italienisch handelt vom Schauer (Brividi), der den beiden beim Gedanken an die Liebe eiskalt herunterläuft.
  • 10 SPANIEN mit Chanel („SloMo“): Poppiger Sommer-Sonne-Tanz-Song. Auf Spanisch singt die Sängerin und Tänzerin darüber, wie sie den Männern mit ihrem Auftritt den Kopf verdreht.
  • 11 NIEDERLANDE mit S10 („De Diepte“): Sentimentale Pop-Ballade: Die Sängerin und Rapperin singt darüber, in einer toxischen Beziehung gefangen zu sein.
  • 12 UKRAINE mit Kalush Orchestra („Stefania“): Hip-Hip-Song mit Folklore-lementen aus der ukrainischen Volksmusik. Rapper Oleh Psjuk hat das Lied in ukrainischer Sprache vor dem russischen Angriffskrieg auf sein Land geschrieben. Es ist seiner Mutter gewidmet.
  • 13 DEUTSCHLAND mit Malik Harris („Rockstars“): Pop-Song mit Rap-Einlage. Malik kommt aus einer Musiker-Familie, in der schon der Großvater (Opernsänger), die Großmutter (Pianistin) und sein Vater Ricky Harris (TV-Moderator und Cellist) musikalisches Talent hatten. Das Lied handelt von den guten, problemlosen Zeiten als Kinder, als alle noch kleine „Rockstars“ waren.
  • 14 LITAUEN mit Monika Liu („Sentimentai“): Chansonartiges Lied - erinnert optisch an die französische Schlagersängerin Mireille Mathieu. Liu singt über eine verflossene Liebe, die ihr nachts nicht aus dem Kopf geht
  • 15 ASERBAIDSCHAN mit Nadir Rustamli („Fade To Black“): Emotionale Ballade. Rustamli findet das Lied wie perfekt auf sich zugeschnitten. Der Song handelt von einem Liebes-Aus.
  • 16 BELGIEN mit Jérémie Makiese („Miss You"): Souliges Poplied mit R&B-Note. Jérémie Makiese strebt nicht nur eine Gesangs- sondern auch eine Fußballer-Karriere an. In dem Lied will er mit der Vergangenheit Schluss machen und nach vorne blicken.
  • 17 GRIECHENLAND mit Amanda Georgiadi Tenfjord („Die Together“): Gefühlvolle Ballade. Die in Norwegen lebende Medizinstudentin singt in ihrem Lied darüber, wie es ist, sich in einer Beziehung auseinander gelebt zu haben.
  • 18 ISLAND mit Systur („Med Hækkandi Sól“): Mystischer Country-Popsong mit Folklore-Elementen. Die drei Geschwister aus einer Musiker-Familie besingen auf Isländisch den Jahreszeitenwechseln nach einem dunklen Winter Med Hækkandi Sól (Mit der aufgehenden Sonne.)
  • 19 MOLDAWIEN mit Zdob si Zdub & Advahov Brothers („Trenuletul“): Spaßiger Western-Hit, der etwas an den 90er-Jahre-Kracher „Cotton Eye Joe“ (Rednex) erinnert. Die Band singt über eine wilde Zugfahrt von Chisinau nach Bukarest.
  • 20 SCHWEDEN mit Cornelia Jakobs („Hold Me Closer“): Hymnisch anmutende Pop-Ballade. Der Song der Tochter des bekannten schwedischen Rockers Jacob Samule („The Poodles“) handelt vom Schmerz eines Liebes-Aus.
  • 21 AUSTRALIEN mit Sheldon Riley („Not The Same“): Gefühlvolle Ballade. In dem Lied ging es um schwere Erinnerungen aus der Kindheit, die darüber hinaus auf einem Menschen lasten. Riley bezieht sich dabei auf sein sechsjähriges Ich und die Zeit als er mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde.
  • 22 GROSSBRITANNIEN mit Sam Ryder („Space Man“): Radio-Popsong zum Wohlfühlen. In seinem Lied stellt sich Social-Media-Bekanntheit Ryder vor, wie es wäre, ein Astronaut zu sein, will aber am Ende lieber nach Hause, zu dem was er kennt.
  • 23 POLEN mit Ochman („River“): Klavier-Popsong. Der im US-amerikanischen Massachusetts geborene Krystian Ochman kann in seinem Song nicht mehr und singt darüber, sich einfach von einem Fluss (River) wegtreiben zu lassen. Seine Familie hat ihn zur Musik animiert. Besonderes Vorbild war sein Großvater, ein Opernsänger.
  • 24 SERBIEN mit Konstrakta („In Corpore Sano“): Wohlbefinden, Versicherung und das Haar von Meghan Markle: Konstrakta schwört in ihrem Mitklatsch-Lied vor einer Waschschüssel auf einen gesunden Körper.
  • 25 ESTLAND mit Stefan („Hope“): Countrylied mit Westerncharme und Johnny-Cash-Vibes. Stefan richtet den Blick in die Zukunft und singt in dem Lied darüber, Entscheidungen mutig anzupacken.

(mit dpa)