Der Abendhimmel in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia.
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BrüsselDer vergangene Monat war laut EU-Forschungsdaten weltweit der wärmste September seit dem Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Drei Monate dieses Jahres – Januar, Mai und September – stellten bisher globale Hitzerekorde auf, wie das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus am Mittwoch mitteilte. Als bisheriges Hitze-Rekordjahr gilt 2016.

In den zwölf Monaten bis September lag die durchschnittliche Temperatur weltweit um fast 1,3 Grad Celsius über den Werten des vorindustriellen Zeitalters. Dies ist knapp unter der Schwelle von 1,5 Grad, die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegt ist.

Das Europaparlament fordert unterdessen die Verschärfung der Klimaziele. Ziel müsse es sein, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um 60 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken, entschieden die Abgeordneten. Das Ergebnis der Abstimmung über Änderungsanträge zu der entsprechenden Passage im Vorschlag der EU-Kommission wurde am Mittwoch bekannt gegeben. In diesem war eine Reduzierung um mindestens 55 Prozent veranschlagt. Das 60-Prozent-Ziel erhielt nun eine knappe Mehrheit. Das EU-Parlament muss aber noch über seine endgültige Verhandlungsposition abstimmen. Anschließend müssen Parlament und EU-Staaten eine gemeinsame Linie finden.

Der zuständige Kommissionsvize Frans Timmermans hatte vor der Abstimmung im Europaparlament für den Vorschlag der EU-Kommission geworben. Das Ziel, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken, sei bereits ehrgeizig, hatte Timmermans am Dienstag im Plenum betont.

Grünen-Politiker: „Meilenstein für Klimapolitik“

Grünen-Europapolitiker Michael Bloss nannte das Ergebnis einen Meilenstein für die europäische Klimapolitik: Zum ersten Mal habe eine europäische Institution das Klimaziel von 60 Prozent beschlossen. Das Parlament habe damit Mut gezeigt, so Bloss. Andere Abgeordnete sehen das 60-Prozent-Ziel hingegen als zu hoch gesetzt. Der CDU-Europaabgeordnete Markus Pieper sagte, die nun anstehende Konkretisierung der Gesetzgebung in den kommenden Wochen werde „den Irrsinn dieser Vorgabe“ aufzeigen. „60 Prozent bis 2030 gehen extrem über die Pariser Klimaziele hinaus“, so Pieper.

Das Europaparlament stimmt am Mittwoch noch über weitere Änderungsantrage ab. Ab Mittwochabend soll dann der gesamte Text zur Abstimmung gestellt werden. Die Ergebnisse dazu werden allerdings erst am Donnerstagmorgen erwartet, da die Abgeordneten aktuell per E-Mail abstimmen.