Sollten sich die Affenpocken von Menschen auf Tiere übertragen und in einer Tierpopulation ausbreiten, könnte die Krankheit in Europa endemisch werden. Davor hat die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Montag in Stockholm in einer Risikobewertung gewarnt. Deshalb gelte es, Infektionen von Haus- und Wildtieren zu verhindern, hieß es darin.

Die meisten aktuellen Fälle beträfen Männer, die Sex mit Männern hätten, was nahelege, dass die Übertragung während intimer Beziehungen erfolgt sei. „In den meisten der aktuellen Fälle waren die Symptome mild, und für die breitere Bevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung sehr gering“, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon laut einer Mitteilung. „Die weitere Übertragung des Virus durch nahen Kontakt, zum Beispiel während sexueller Aktivitäten zwischen Personen mit mehreren Sexualpartnern, wird aber als hoch eingeschätzt.“

WHO sieht noch offene Fragen bei Affenpocken-Verbreitung

Bei der Verbreitung der Affenpocken sind wichtige Fragen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch ungeklärt. So sei noch offen, ob sich das seit mehr als 40 Jahren bekannte Virus verändert habe, sagten WHO-Fachleute am Montag in Genf. Die Art des Virus spreche momentan allerdings dagegen. „Sie tendieren dazu, sehr stabil zu sein“, sagte die WHO-Expertin Rosamund Lewis. Sie wies darauf hin, dass die Impfung gegen Pocken, mit der diese Krankheit vor Jahrzehnten ausgerottet worden sei, zu 85 Prozent auch gegen die Affenpocken helfe. Außerdem sei der Impfstoff seitdem weiterentwickelt worden. Das Problem sei, dass er nicht in größeren Mengen verfügbar sei. Daher werde es darum gehen, welche Personengruppen so einen Schutz benötigten, hieß es.

Die WHO wandte sich gegen eine Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen. „Das ist keine Krankheit von Schwulen“, sagte WHO-Experte Andy Seale. Sexueller Kontakt sei eine Übertragungsmöglichkeit, aber es reiche auch Hautkontakt. Während in der Vergangenheit die Affenpocken nur sehr begrenzt durch Reisende verbreitet worden seien, sei diesmal ein anderes Muster zu erkennen. Wichtig sei, dass die internationale Gemeinschaft die Beobachtung von Fällen intensiviere. Weltweit seien bisher erst weniger als 200 Fälle mit oft eher weniger schweren Verläufen verzeichnet worden, sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. „Das ist eine beherrschbare Situation.“ Allerdings sei mit steigenden Zahlen zu rechnen.