Brüssel - Die EU hat von China die Freilassung der wegen ihrer Corona-Berichte verurteilten Bloggerin Zhang Zhan gefordert. Sie müsse unverzüglich und ohne Bedingungen auf freien Fuß gesetzt werden, sagte die Sprecherin des EU-Außenbeauftragen Josep Borrell, Nabila Massrali, am Dienstag in Brüssel. Zudem bedürfe die 38-Jährige dringend medizinischer Versorgung.

Angehörige sorgen sich um das Leben der Bloggerin. Zhang Zhan sei nach einem wochenlangen Hungerstreik stark untergewichtig und lebe „vielleicht nicht mehr lange“, hatte ihr Bruder Zhang Ju Anfang November im Online-Dienst Twitter gewarnt. Die frühere Anwältin verweigert seit Wochen die Nahrungsaufnahme und wird über die Nase zwangsernährt.

Video: „Die Folgen der autoritären Seuchenprävention zeigen sich weiter“

Zhang war im Dezember 2020 wegen ihrer Berichte über die Ausbreitung des Coronavirus in der Millionenstadt Wuhan zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Sie hatte Videos gedreht, in denen etwa überfüllte Krankenhäuser und leergefegte Straßen und Geschäfte in Wuhan zu sehen waren. Ein Video betitelte sie mit: „Die Folgen der autoritären Seuchenprävention zeigen sich weiter“. Zhangs Haftstrafe wird damit begründet, dass sie „Streit angezettelt und Unruhe provoziert“ habe, heißt es.

Peking hatte Forderungen von Menschenrechtsgruppen nach ihrer Freilassung zuletzt als „China-feindliche politische Manipulation“ zurückgewiesen. Zhang ist eine von vier Bloggern, die wegen ihrer Berichte über die Corona-Lage in Wuhan in Haft sitzen. Am Montag machten die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und die Schriftstellervereinigung PEN auf die Lage der Bloggerin aufmerksam und forderten die Politik zum Handeln auf.