Containerterminal in Hamburg.
Foto: dpa/Christian Charisius

BrüsselDie Folgen der Corona-Krise treffen die  europäische Wirtschaft wohl noch härter als zunächst vermutet. Die EU-Kommission korrigierte ihre Konjunkturprognose für das Jahr 2020 nach unten.  Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone könnte laut der Brüsseler Behörde in diesem Jahr um 8,7 Prozent einbrechen, in der Europäischen Union als Ganzes um 8,3 Prozent.

Anfang Mai hatte die Kommission in ihrer Frühjahrsprognose bereits mitgeteilt, dass die Corona-Krise die EU-Länder in eine beispiellose Rezession treibe. Damals war sie allerdings noch von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7,7 Prozent für die Euroländer und 7,4 Prozent für alle 27 EU-Staaten ausgegangen.

„Da die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie langsamer gelockert werden als in unserer Frühjahrsprognose angenommen, werden die Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2020 stärker sein als erwartet“, erklärte die Kommission laut AFP am Dienstag. Für die schwer von der Corona-Pandemie getroffenen Euroländer Frankreich, Italien und Spanien erwartet sie nun einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um mehr als zehn Prozent. Für Deutschland bleibt die Vorhersage mit einem Rückgang von 6,3 Prozent nahe an der Frühjahrsprognose (minus 6,5 Prozent).

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Europäische Kommission (Stand: Juli 2020), afp

Nach dem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung rechnet die Kommission weiterhin mit einer Erholung im kommenden Jahr: Für 2021 wird für die EU-Länder ein Plus von 5,8 Prozent erwartet, für die Eurozonenländer ein BIP-Anstieg um 6,1 Prozent. Die Werte liegen etwas unter denen der Frühjahrsprognose.

Vorsichtig optimistisch blickt die Kommission auf das zweite Halbjahr 2020. Erste Daten für Mai und Juni deuteten darauf hin, „dass das Schlimmste überstanden sein könnte“, erklärte sie. Insgesamt bestehe über die weitere Entwicklung eine „außergewöhnlich hohe Unsicherheit“, räumte die Kommission ein.

Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis erklärte, bestehende Gefahren, „zu denen beispielsweise eine zweite Infektionswelle zählt, verhindern weiterhin, dass wir in friedlichen Gewässern segeln können“. Er forderte ebenso wie Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni eine schnelle Einigung auf das geplante Wiederaufbauprogramm, für das die Kommission 750 Milliarden Euro veranschlagt.