Andrij Melnyk fordert Drohung mit „nuklearem Zweitschlag“

Der Ex-Botschafter ist in die Ukraine zurückgekehrt, doch deutliche Worte findet er weiterhin. Warum er ein Ultimatum gegenüber Russland für notwendig hält.

Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk
Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnykdpa/Michael Kappeler

Der ehemalige Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, fordert von den Verbündeten seines Landes eine Drohung mit einem „nuklearen Zweitschlag“ gegenüber Russland. „Um den Nuklearschlag Russlands gegen die Ukraine zu verhindern, müssten unsere westlichen Verbündeten Putin mit einem atomaren Zweitschlag drohen. Nur diese Abschreckungsstrategie, die sich im Kalten Krieg bewährt hat, kann ein Armageddon in Europa verhüten“, schrieb Melnyk am Donnerstag auf Twitter. 

In einem Interview mit dem Nachrichtenportal T-Online machte Melnyk klar, dass es aus seiner Sicht für die Ukraine keine große Bedeutung hat, dass sich Chinas Staatschef Xi Jinping kürzlich deutlich gegen die russischen Nukleardrohungen gestellt hat. Er findet, ein Ultimatum sei wichtiger gewesen. Der Westen müsse „sehr deutlich machen, dass er vor einem nuklearen Zweitschlag nicht zurückschrecken würde, wenn Putin zur Bombe greift“.

Melnyk: „Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Drohkulisse“

Darauf hingewiesen, dass eine Atombombe auf russischem Gebiet einen Atomkrieg bedeuten würde, sagte Melnyk: „Es geht um die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Drohkulisse.“ Im Kalten Krieg habe diese Abschreckungslogik perfekt funktioniert, denn allen sei klar gewesen, dass ein Atomschlag „einem Selbstmord gleichkomme, weil die andere Atommacht adäquat reagieren würde“. „Nur so wurde die Welt vor einem nuklearen Inferno bewahrt“, sagte Melnyk. Und weiter: „Der Westen hat sämtliche Mittel in der Hand, um Putin von diesem wahnsinnigen Schritt abzubringen, aber nicht durch falsches Einlenken, sondern nur aus einer Position der Stärke heraus.“

Melnyk machte klar, dass er derzeit nichts von Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin hält, sofern sie nicht unter den Vorbedingungen stattfinden, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj formuliert hatte. Selenskyj hatte unter anderem die Bestrafung von Kriegsverbrechern, eine Kompensation für Kriegsschäden und die Achtung der territorialen Integrität der Ukraine gefordert. Die Einladung zum G20-Gipfel, an dem Putin nun nicht teilnehmen wird, findet Melnyk falsch.

„Putin soll merken, dass Russland ein Paria-Staat geworden ist und ihm keiner mehr die Hand reicht“, so der Ex-Botschafter. „Das ganze Gequatsche über Friedensgespräche sind nur Nebelkerzen Putins, nichts weiter als Altweibergeschwätz.“