Der letzte DDR-Innenminister und Anwalt Peter-Michael Diestel hat den Umgang mit dem abgelösten Inspekteur der Deutschen Marine, Kay-Achim Schönbach, scharf kritisiert. „Man wirft einen Offizier nicht raus, weil er seine Meinung äußert“, sagte Diestel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Zislow (Mecklenburgische Seenplatte). Wer solle denn die Verteidigungsbereitschaft der deutschen Marine organisieren, wenn nicht verdiente Offiziere wie der 56-Jährige, gab Diestel zu bedenken.

Hier beschreite Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) den gleichen Irrweg wie einst Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), erklärte Diestel. Auch der CSU-Politiker habe von 2009 bis 2011 als Verteidigungsminister führende Soldaten entlassen, wenn er selbst Fehler gemacht habe.

Unter Diestels Führung wurde 1990 die DDR-Staatssicherheit aufgelöst und die ostdeutsche Polizei in die Wiedervereinigung geführt.

Der Rostocker Vizeadmiral Schönbach hatte inmitten der Spannungen zwischen Russland und der Nato bei einem Auftritt in Indien Verständnis für Kremlchef Wladimir Putin geäußert und erklärt: „Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nicht zurückkommen.“ Die Äußerungen lösten Empörung aus. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim am Schwarzen Meer annektiert. Zu Putin hatte Schönbach gesagt: „Was er wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und - mein Gott - jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts.“

Was Schönbach gesagt habe, sei eigentlich auch Meinung der USA, sagte Diestel. Die Krim habe – geschichtlich gesehen - immer eine Sonderstellung gehabt. Diestel äußerte auch Verständnis für Putin: Er könne verstehen, dass sich die Russen bedroht fühlten. Die Nato habe sich, entgegen den Zusagen nach 1989, in Osteuropa erweitert.