Paris - Der ehemalige Élysée-Mitarbeiter Alexandre Benalla ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden, davon zwei Jahre auf Bewährung. Ein Jahr lang muss er eine elektronische Fessel tragen, aber nicht hinter Gitter, wie ein Gericht am Freitag in Paris urteilte. „Sie haben das Vertrauen gebrochen, das in Sie gesetzt worden war“, sagte die Vorsitzende Richterin Isabelle Prévost-Desprez bei der Urteilsverkündung.

Benalla habe sich „unangreifbar und allmächtig“ gefühlt, sagte die Richterin. Dabei habe er sich in seiner Stellung besonders korrekt und beispielhaft verhalten müssen.

Der 30-Jährige wurde insbesondere wegen Gewalt gegen Demonstranten verurteilt, aber unter anderem auch wegen Fälschung von Dokumenten und illegalen Waffenbesitzes. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem drei Wochen dauernden Prozess Anfang Oktober lediglich 18 Monate Haft auf Bewährung für den Angeklagten gefordert.

Enger Mitarbeiter von Emmanuel Macron

Der ehemals enge Mitarbeiter des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hatte sich bei einer Demonstration am 1. Mai 2018 fälschlich als Polizist ausgegeben und Demonstranten verprügelt. Der Fall war durch ein Video im Internet bekannt geworden und hatte in Frankreich große Entrüstung ausgelöst. Auch Macron geriet durch den Skandal schwer unter Druck.

Benalla habe „wie die Polizisten und teilweise an Stelle der Polizisten“ gehandelt, hatte die Staatsanwaltschaft während der Gerichtsverhandlung erklärt. Dabei sei sein Einsatz keineswegs notwendig gewesen. Die Verteidigung hatte argumentiert, dass Benalla sich lediglich als Bürger eingemischt habe, um eine Straftat zu verhindern.

Weitere Verurteilungen gegenüber Polizisten

Das Gericht verurteilte Benalla außerdem dafür, dass er illegalerweise zwei diplomatische Pässe genutzt hatte, und dass er ein Dokument gefälscht hatte, um einen Dienstausweis zu erhalten. Bei einer Wahlkampfveranstaltung für Macron 2017 hatte er zudem ohne Erlaubnis eine Waffe getragen. Benalla hatte später behauptet, dass es sich um eine Wasserpistole gehandelt habe.

Die Affäre hatte Macrons Präsidentschaft monatelang belastet, da der Élysée-Palast in den Verdacht geraten war, Benalla zu decken. Auslöser des Skandals war ein Video, das den damals 26-Jährigen mit Polizeihelm und Armbinde zeigt, wie er am 1. Mai 2018 auf zwei Demonstranten einschlägt. Nach Erkenntnissen der Ermittler versuchte Benalla später, sich unter anderem mithilfe seiner Kontakte bei der Präfektur aus der Affäre zu ziehen.

Ein Freund und Geschäftspartner Benallas wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zwei Polizisten, die Benalla unerlaubterweise die Bilder einer Überwachungskamera zukommen ließen, bekamen eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro und je drei Monate Haft auf Bewährung.