Berlin - Nach dem gewaltsamen Tod eines ehemaligen Pastors ist ein 22-Jähriger des Mordes schuldig gesprochen worden. Das Berliner Landgericht verhängte am Montag eine Jugendstrafe von acht Jahren. Mit Komplizen habe er das 77-jährige Opfer berauben wollen, hieß es im Urteil. In der Wohnung des Seniors sei der Überfall „aus dem Ruder gelaufen“. Ein 25-jähriger Mitangeklagter erhielt wegen Raubes eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Er sei an den Planungen der Tat beteiligt gewesen, begründete das Gericht.

Der Theologe war am 4. Juli 2020 tot in seiner Moabiter Wohnung entdeckt worden. Der 77-Jährige sei am 30. Juni 2020 aus Habgier umgebracht worden, hieß es im Urteil. Er sei zu Boden gebracht, geknebelt und mit einem Kissen erstickt worden. „Es war ein tragisches und grausames Geschehen“, so die Vorsitzende Richterin.

Das Opfer lernte einen der Täter offenbar im Strichermilieu kennen

Der Senior habe den 25-Jährigen bereits etwa ein Jahr vor der Tat im Strichermilieu kennengelernt, so das Gericht. Der Ex-Pastor sei in der Szene als „reicher Freier“ bekannt gewesen und habe sich gegenüber dem 25-Jährigen finanziell großzügig gezeigt. Gemeinsam mit dem 22-Jährigen und einem weiteren Komplizen, die wie er aus Rumänien stammen, habe er schließlich einen Raub geplant, bei der Tat aber im Hintergrund bleiben wollen. Nur der 25-Jährige habe gewusst oder vermutet, dass es in der Wohnung möglicherweise lohnenswerte Beute geben könnte.

Der 22-Jährige habe sich am 30. Juni 2020 mit einem Komplizen, der sich inzwischen der Polizei gestellt habe, in die Wohnung des Seniors begeben. „Bereits im Flur kam es zu einem Kampfgeschehen“, sagte die Richterin. „Offenbar wollte er keine Verstecke nennen, vielleicht hatte er auch nichts.“ Der 22-Jährige habe das Opfer zumindest festgehalten und dadurch einen Tatbeitrag geleistet. Was aus der Wohnung verschwand, habe nicht geklärt werden können.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 22-Jährigen auf eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes plädiert. Im Fall des 25-Jährigen verlangte der Ankläger zwölf Jahre Haft wegen Raubes mit Todesfolge. Die Verteidiger des 22-Jährigen, der ein Teilgeständnis abgelegt und den dritten Komplizen genannt hatte, plädierten auf eine Jugendstrafe wegen Beihilfe zum Totschlag. Für den 25-Jährigen forderten seine Anwälte Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.