Wirecard (Symbolbild)
Foto: dpa/Peter Kneffe

ManilaIm Wirecard-Skandal wird eine Hauptfigur der Affäre in Südostasien vermutet. Die philippinische Einwanderungsbehörde sucht den ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, wie Justizminister Menardo Guevarra am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur dpa in Manila sagte. Marsalek war demnach am 3. März in der philippinischen Hauptstadt und reiste zwei Tage später wieder aus. „Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass er kürzlich zurückgekehrt ist und möglicherweise noch dort ist“, sagte Guevarra. Außerdem haben die Philippinen im Zusammenhang mit der Affäre um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro Geldwäsche-Ermittlungen eingeleitet.

Laut der Süddeutschen Zeitung will sich der per Haftbefehl gesuchte Marsalek nun offenbar stellen. Wie das Blatt unter Berufung auf Kreise von Kennern des Münchner Ermittlungsverfahrens berichtet, will sich Marsalek Anfang der kommenden Woche bei der Münchner Staatsanwaltschaft melden.

Marsalek galt beim Zahlungsabwickler Wirecard als rechte Hand des gestürzten Vorstandschefs Markus Braun. Er war für das Tagesgeschäft verantwortlich, wurde aber vergangene Woche zuerst suspendiert, am Montag dann fristlos entlassen – ein klares Anzeichen, dass Wirecard-Aufsichtsrat und -Vorstand mittlerweile davon ausgehen, dass Marsalek gegen seine Pflichten verstoßen hat.

Marsaleks ehemaliger Vorgesetzter Braun war am Montag für eine Nacht in Untersuchungshaft genommen worden, kam aber am Dienstagnachmittag unter hohen Auflagen wieder frei. Braun hat die vom Münchner Amtsgericht festgesetzte Kaution von fünf Millionen Euro mittlerweile bezahlt, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Der ehemalige Vorstandschef Braun muss sich abgesehen von der hohen Kaution für die Dauer der Ermittlungen wöchentlich bei der Polizei melden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 1969 geborenen Österreicher unrichtige Darstellung der Wirecard-Bilanzen und Marktmanipulation vor.