Berlin - Wer Opfer einer Gewalttat wird, kann in Berlin eine sogenannte Opferentschädigung beantragen. Doch oft wissen die Leidtragenden nicht, dass sie Anspruch auf die Hilfe haben. Dazu wird die Wartezeit, bis ein Antrag vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) genehmigt wird, immer länger.

Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Wartezeit 327 Tage, bei 1252 Anträgen, die gestellt wurden. Die Tendenz ist steigend. Im Jahr 2018 waren es noch 302 Tage Wartezeit.  Das teilte die Senatsverwaltung für Soziales auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Thomas Seerig (FDP) mit. Das Papier liegt der Berliner Zeitung exklusiv vor.

In dem Dokument steht auch: Von allen Anträgen, die im Jahr 2019 beim Lageso eingingen, wurden 46,33 Prozent abgelehnt. Eine Zahl, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 42 Prozent liegt. 

Thomas Seerig findet das beschämend. Der Berliner Zeitung sagt er: „Opfer brauchen schnelle und verlässliche Unterstützung. Darauf kann man in Berlin aber lange, zudem oft vergeblich warten.“ Am Ende stehe meist ein Almosen, das den körperlichen und seelischen Folgen der Gewalttat nicht angemessen sei.

In Berlin beträgt die durchschnittliche Opferrente 460 Euro. „Für einen Menschen, der missbraucht wurde und dessen Leben verdorben ist, ist das für mich eine geringe Entschädigung“, sagt Thomas Seerig.