Greifswald - Nach Aussage des Greifswalder Bioinformatikers Lars Kaderali kann eine um fünf Prozentpunkte niedrigere Impfquote zu etwa doppelt so vielen Corona-Neuinfektionen im Herbst führen. Für die Entwicklung der Corona-Inzidenzen würden Impfungen den Ausschlag geben, sagte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald der Deutschen Presse-Agentur.

So rechnet Kaderali bei einer Impfquote von 70 Prozent für Ende Oktober/Anfang November mit Sieben-Tage-Inzidenzen von 100 oder 150 allein in Mecklenburg-Vorpommern. Bei einer Impfquote von 65 Prozent zeigten die Simulationen schon Werte von 250 oder 300. Die Sieben-Tage-Inzidenz steht für die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner.

Jüngere Menschen infizieren sich: Weniger schwere Krankheitsverläufe

Bei langfristigen Prognosen sei die Unsicherheit allerdings sehr groß, gab Kaderali zu bedenken. Die Inzidenzen könnten auch deutlich schneller steigen, etwa wenn sich der Effekt der Reiserückkehrer stark auswirkt.

Weil sich im Vergleich zu zurückliegenden Infektionswellen eher jüngere Menschen infizierten, käme es allerdings zu weniger schweren Krankheitsverläufen, und die Krankenhäuser würden erst bei Inzidenzen im hohen dreistelligen Bereich an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Solche Werte seien allerdings durchaus denkbar, solange größere Bevölkerungsschichten – gerade auch Kinder und junge Erwachsene – nicht vollständig geimpft sind.

Laut den Daten wird Lambda-Variante kein großes Problem

Mit Blick auf die Lambda-Variante des Coronavirus sagte Kaderali, der mit seinen Simulationen die Landesregierung berät: „Das ist jetzt nichts, was mir große Sorgen macht. Das muss man sicher weiter beobachten.“ Laut der vorhandenen Daten werde Lambda kein großes Problem werden. Die Variante habe sich in anderen Ländern nicht durchsetzen können.