Berlin - Wissenschaftler haben eingeräumt, dass sich die Symptome von Langzeitfolgen durch eine Corona-Infektion (Long Covid) und die physischen und psychischen Folgen der Pandemie für Kinder ähneln könnten. Laut einer noch nicht von unabhängigen Wissenschaftlern beurteilten, im Mai erschienenen Studie der Technischen Universität Dresden, handelt es sich bei Long Covid, um eine seltenere Erkrankung bei Kindern als bislang angenommen. Die Wissenschaftler hatten 1560 durchschnittlich 15-jährige Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen in Sachsen auf Corona getestet. Die Jugendlichen wurden zudem zu Post-Covid-Symptomen befragt.

Sieben der Kinder waren bereits geimpft und nahmen deshalb nicht an der Studie teil. Der Großteil (88 Prozent) der verbliebenen 1553 Schülerinnen und Schüler wurde negativ getestet. 12 Prozent waren infiziert. Bereits eine Woche vor der Erhebung seien bei mindestens 35 Prozent der Jugendlichen nach deren Angaben Post-Covid-Symptome aufgetreten, so die Autoren der Studie.  Die Autoren schreiben: „Der Mangel an Unterschieden beim Vergleich der gemeldeten Symptome zwischen positiv getesteten und negativ getesteten Schülern legt nahe, dass Long Covid möglicherweise weniger verbreitet ist als bisher angenommen, und betont den Einfluss von pandemiebedingten Symptomen auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit junger Jugendlicher.“ Das bedeutet: Die physischen und psychischen Symptome sind bei rund einem Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler möglicherweise nicht auf eine Long Covid-Erkrankung zurückzuführen.

Long Covid oder „Long Lockdown“?

Der zweite Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Professor Arne Simon, sprach im Zusammenhang mit dem Auftreten von Post-Covid-Symptomen gegenüber dem RND im vergangenen Juni auch von „Long Lockdown“. 

Es sei zwar mangels entsprechender Daten noch nicht möglich diesbezüglich Ableitungen zu treffen, Simon erklärt aber, dass es mittlerweile „sehr schwierig“ sei zwischen Long Covid und „Long Lockdown“ zu unterscheiden. Beides betreffe die negativen Effekte auf die Entwicklung, die Psyche und die Psychosomatik von Schülerinnen und Schülern.