Berlin - Nach einer Explosion auf einem Hinterhof in Schöneberg hat die Polizei zwei Männer festgenommen.  Direkt vor einem Wohnhaus an der Eisackstraße soll am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr eine Rohrbombe detoniert sein. Anwohner alarmierten die Polizei. Spezialisten durchsuchten den Hof und fanden einen zweiten Sprengsatz, der nicht explodiert war.

Wie die Polizei mitteilte, konnten Polizisten bereits nach kurzen Ermittlungen einen 29-jährigen Verdächtigen festnehmen, als er versuchte, aus dem Wohnhaus zu flüchten. Da die Tür zu einer Wohnung verschlossen war und die Beamten davon ausgingen, dass sich dort ein zweiter Verdächtiger versteckt, wurde ein Spezialeinsatzkommando angefordert.

SEK-Beamte stürmten dann die Wohnung und überwältigten einen 27-Jährigen. „Zur Sicherheit der Anwohnenden kam es für etwa eine Stunde zu Evakuierungen der anliegenden Häuser“, sagte ein Polizeisprecher. Sie kamen vorübergehend in bereitgestellten BVG-Bussen unter. Kriminaltechniker beschlagnahmten im Innenhof die Überreste der Explosion, den zweiten Sprengsatz sowie Chemikalien, die in der Wohnung der Tatverdächtigen gefunden wurden.

Einer der Verdächtigen engagiert sich gegen Rechtsextremismus

Bei den Männern handelt es sich nach Informationen der Berliner Zeitung um die beiden Berliner Gregor D. und Claudio C. Aus Polizeikreisen hieß es, dass sie gute Kontakte in die linke Szene hätten. C. hat nach eigenen Angaben an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften studiert. Er habe sich unter anderem in einem vom Senat finanzierten Verein gegen Rechtsextremismus engagiert. Zudem leitet er ein medienpädagogisches Projekt gegen antimuslimischen Rassismus. Ermittler rätseln nun, was die beiden Männer mit den Sprengsätzen vorhatten. 

Wie der Polizeisprecher sagte, prüfen die Ermittler einen Zusammenhang zu anderen Sprengstoffdelikten in der Gegend. Erst am 20. Januar 2021 war in der Fritz-Reuter-Straße in Schöneberg ein ähnlicher Sprengsatz an einem Baustellenschild explodiert. Umherfliegende Trümmerteile beschädigten mehrere Fensterscheiben und Autos. Rund 50 Anwohner mussten mussten mitten in der Nacht ihre Wohnungen verlassen.