EZB erhöht Leitzins erneut: Das sind die Folgen für Kredite, Dispo, Spareinlagen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt die Leitzinsen deutlich an. Was das für Verbraucher bedeutet.

Das Euro-Zeichen auf der Südfassade der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. 
Das Euro-Zeichen auf der Südfassade der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. dpa/Arne Dedert

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit einer weiteren kräftigen Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte gegen die Rekordinflation im Euroraum. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank leihen können, steigt damit auf 2,0 Prozent, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat die Zinserhöhung vielfältige Auswirkungen.

Ära der Negativzinsen endet

Negativzinsen auf Konten, die einen bestimmten Betrag überschreiten, dürften sehr bald der Vergangenheit angehören. Viele Banken und Sparkassen haben das Verwahrentgelt bereits ganz oder teilweise wieder abgeschafft oder die Beträge erhöht. Laut dem Vergleichsportal Verivox weisen aktuell (Mittwoch) noch 32 Banken Negativzinsen für Privatkunden aus – im Mai 2022 waren es demnach noch 455.

Zinsen auf Spargelder steigen

Die Banken zahlen wieder Zinsen „in längst vergessenen Höhen“, wie es das Finanzvergleichsportal Biallo formuliert. Die Zinsen stehen demnach so hoch wie seit Anfang 2013 nicht mehr. Im Vergleich zur Inflationsrate sind es jedoch noch immer sehr niedrige Zinssätze.

Bei den Geldhäusern mit deutscher Einlagensicherung zahlen demnach aktuell drei Banken 1,75 Prozent Zinsen für Festgeld mit einem Jahr Laufzeit. Bis zu 2,2 Prozent gibt es bei Banken in der EU; Spitzenreiter laut Biallo ist aktuell die Crédit Agricole aus Frankreich. In der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro gesichert.

Bei Laufzeiten von zwei bis drei Jahren gibt es laut Biallo bis zu 2,35 Prozent beziehungsweise 2,55 Prozent. Wer sein Geld zehn Jahre lang festlegt, kann in Deutschland bis zu 3,25 Prozent Zinsen bekommen.

Experten erwarten einen weiteren Zinsschritt nach oben bei der nächsten EZB-Ratssitzung im Dezember. Damit dürften auch die Zinsen beim Festgeld weiter steigen.

Kosten für Kredite verteuern sich

Wer sich Geld leiht, muss stark zunehmende Kosten in Kauf nehmen. Die Bauzinsen etwa haben sich seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht. Laut dem Darlehensvermittler Dr. Klein beträgt der effektive Jahreszins für ein Fünf-Jahres-Darlehen derzeit im Schnitt von rund 700 Banken 3,78 Prozent, für ein Zehn-Jahres-Darlehen 3,95 Prozent.

Konsumentenkredite kosteten laut Vergleichsportal Smava im August im Bundesschnitt 6,33 Prozent. Sie würden in den kommenden Monaten „um die Sieben-Prozent-Marke“ liegen. So viel kosteten solche Kredite demnach zuletzt 2011.

Viele Institute haben auch die Zinsen für Dispo- und Überziehungskredite angehoben – nach Angaben von Biallo waren es 264 von knapp 1200. Der durchschnittliche Dispozins liegt demnach bei 10,07 Prozent – vor einem Jahr waren es 9,9 Prozent. Der Zins für die Überziehung des Disporahmens stieg von 12,29 auf 12,39 Prozent. „Der Zuwachs mag auf den ersten Blick nicht hoch erscheinen“, erklärte Horst Biallo. Die Zinsen seien aber auch in den letzten Jahren schon viel zu hoch gewesen.

Verbraucherpreise bleiben hoch

Auch nach der nächsten Zinserhöhung der EZB können Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mit sinkenden Preisen rechen. Denn die Inflation wird insbesondere von den hohen Energiepreisen getrieben. Auf sie hat die EZB aber keinen Einfluss. Experten zufolge kann sich die Geldpolitik der Zentralbank aber dämpfend auf die Inflationserwartungen auswirken – etwa bei den Lohnforderungen der Gewerkschaften.