Vier Polizisten fixieren eine Demonstrantin. Einer der Beamten (l.) schlägt mit der Faust zweimal in den Rücken der Frau. 
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BerlinZwei Videos von Festnahmen auf der Corona-Demonstration in Berlin haben am Montag für viel Wirbel gesorgt. In den sozialen Medien wurde verbreitet, dass eine Frau durch das rabiate Vorgehen der Polizei getötet wurde. Eine Schwangere soll so schwer verletzt worden sein, dass sie ihr Kind verloren hat. Alles Fake, sagt die Polizei. 

Eine Frau liegt schreiend am Boden, während vier Polizisten ihr Handschellen anlegen. Einer der Beamten schlägt ihr mit der Faust zweimal kräftig in den Rücken. Zeugen haben diese Szene am Rande der Corona-Demonstrationen am Wochenende gefilmt. Die gewaltsame Festnahme wird derzeit viral in den sozialen Netzwerken geteilt - und es wird eben auch viel dazugedichtet. Demnach wird behauptet, dass die Frau bei der Festnahme derart schwer verletzt wurde, dass sie kurz darauf starb. Die Polizei hat am Montag auf Anfrage mitgeteilt, dass die Frau zuvor erheblichen Widerstand leistete. Sie soll durch den rabiaten Einsatz der Polizisten leicht verletzt worden sein. Zudem löste ein zweites Zeugenvideo, das die Festnahme einer Schwangeren zeigt, Kritik und Entsetzen aus. In den sozialen Medien hieß es, dass die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind Spätfolgen erlitten hätten.

Das erste Video, das die Festnahme einer 60-jährigen Frau am Sonnabend gegen 13 Uhr am Großen Stern zeigt, ist 25 Sekunden lang. Es soll zuerst über die Telegram-Gruppe „Info Kanal Berlin“ verbreitet worden sein. Anschließend wurde es auf Facebook veröffentlicht, wo es bereits mehrere tausendmal geteilt wurde. In dem Text zu dem Video heißt: „Diese Frau ist später auf der Fahrt in die Dienststelle an inneren Verletzungen der Halsschlagader verstorben.“

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte die Polizei am Montag, dass ihr dieses Video bekannt ist. Die 60-Jährige sei zu Boden gebracht worden, weil sie zuvor massiven Widerstand geleistet haben soll. Die Frau soll sich laut Polizei an einer unerlaubten Ansammlung beteiligt haben, die zuvor aufgelöst worden war. Trotz mehrerer Ansprachen und Bitten vonseiten der Einsatzkräfte habe sie sich nicht entfernt. „Sie kauerte sich auf den Boden und soll einem Polizisten in den Bauch getreten haben. Als die Beamten sie wegtragen wollten, versuchte sie, einer weiteren Dienstkraft in den Arm zu beißen“, erklärte ein Sprecher der Polizei. Da sie sich weiterhin wehrte, schlug ein Beamter ihr mit der Faust auf den Rücken. Ob gegen den schlagenden Beamten wegen Körperverletzung ermittelt wird, teilte die Polizei nicht mit. „Es stimmt nicht, dass die 60-Jährige anschließend in einem Rettungswagen oder Polizeiwagen verstorben ist. Sie erlitt Schürfwunden am Arm und lehnte eine Behandlung der Feuerwehr ab“, so der Polizeisprecher. Die Frau sei anschließend nicht mitgenommen worden, sondern sie wurde wieder freigelassen.

Schwangere durchbrach Absperrungen

Auch die im Internet verbreiteten Hintergründe zu dem zweiten Video entsprechen nach Angaben der Polizei nicht der Wahrheit. Es zeigt, wie Einsatzkräfte etwa 45 Minuten nach der Festnahme der 60-Jährigen eine schwangere Frau im Tiergarten zu Boden bringen. Zeugen rufen immer wieder, dass die Frau schwanger ist. Die 42-Jährige kniet auf dem Boden, während Polizisten an ihr zerren. Aufgebrachte Zeugen kritisieren die Vorgehensweise der Beamten und bitten darum, Rücksicht auf die Schwangere zu nehmen. Währenddessen sichern Polizisten die vorläufige Festnahme ab. „Anders als in den sozialen Medien behauptet wird, gibt es keine Anhaltspunkte für gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mutter und des ungeborenen Kindes. Sanitäter eines Rettungswagens stellten keine Verletzungen fest. Einen Transport in ein Krankenhaus lehnte die Schwangere ab“, so die Erklärung der Polizei. Die Frau soll zuvor eine Absperrung durchbrochen haben. Anschließend soll sie einen Beamten gegen den Helm geschlagen und ihn angespuckt haben. Daraufhin sei die Situation eskaliert.

Gegen die beiden Frauen wird ermittelt, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die genauen Untersuchungen in den Fällen seien aber noch nicht abgeschlossen. Auch das harte Vorgehen der Beamten solle intern aufgeklärt werden, hieß es.