Eine Psychiaterin hat dem norwegischen Neonazi Anders Behring Breivik in einer Verhandlung über eine vorzeitige Haftentlassung ein weiterhin hohes Gefahrenpotenzial bescheinigt. „Meiner Meinung nach gilt für Breivik die gleiche Diagnose wie immer“, sagte Randi Rosenqvist am Mittwoch während der Verhandlung im Gefängnis Skien. „Das Risiko künftiger Gewalttaten“ sei unverändert. Die Psychiaterin hatte Breivik bereits 2012 und 2013 untersucht. Sie beschrieb den 42-Jährigen als „asozial, histrionisch und narzisstisch“.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo acht Menschen mit einer Bombe getötet. Danach setzte er auf die Insel Utøya über und erschoss dort 69 Menschen, die meisten von ihnen Teilnehmer eines von der norwegischen Arbeiterpartei organisierten Sommerlagers für Jugendliche. Die meisten der Todesopfer waren jünger als 20 Jahre. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt.

Breivik zeigt Hitlergruß und äußert rechtsextreme Parolen

Gut zehn Jahre nach den Anschlägen hatte Breivik eine vorzeitige Haftentlassung beantragt. Er behauptet, dass er der Gewalt abgeschworen habe. Mit Hitlergruß und rechtsextremistischen Parolen ließ der 42-Jährige jedoch zu Beginn einer dreitägigen Gerichtsanhörung am Dienstag keine Zweifel an seiner Gesinnung.

Die Anhörung vor dem Bezirksgericht der südnorwegischen Region Telemark findet aus Sicherheitsgründen in der Sporthalle des Gefängnisses von Skien statt, in dem Breivik inhaftiert ist. Sein Antrag hat nach allgemeiner Auffassung keine Aussicht auf Erfolg.

Psychiaterin: „Die meisten haben Lust, ihm weh zu tun“

Psychiaterin Rosenqvist wies auf die Schwierigkeiten einer Rehabilitierung Breiviks hin. Es gebe nicht viele Häftlinge, die mit ihm sprechen wollten. „Die meisten haben Lust, ihm weh zu tun.“ Rosenqvist galt vorab als wichtigste Zeugin in dem Verfahren.