Berlin - Zwei Reporterinnen der Berliner Zeitung, Anja Reich und Jenni Roth, stehen in diesem Jahr auf der Shortlist des renommierten Nannen-Preises. Ihre Recherchen im „Fall Diogo“ haben demnach nicht nur die Leser der Berliner Zeitung gefesselt, sondern auch die Jury des Journalistenpreises überzeugt. Noch nie seien die Einreichungen in der Wettbewerbskategorie „Lokal“ so vielfältig gewesen, schreibt das Gremium auf der Internetseite des Nannen-Preises 2021. Aus dieser Fülle journalistischer Arbeiten habe man nun zehn Einreichungen ausgewählt, die um drei Nominierungen konkurrieren.

Berliner Zeitung
Anja Reich (rechts) und Jenni Roth sprachen auch mit Markward Michel, dem Lokführer, der Diogos Leiche fand. 

Anja Reich und Jenni Roth standen im „Fall Diogo“ in mehrfacher Hinsicht vor besonderen Herausforderungen. Dies betrifft die gewählten journalistischen Darstellungsformen in Print, Online – und als True-Crime-Podcast mit inzwischen sieben Folgen. Es betrifft aber auch die monatelange Recherche, deren erste Ergebnisse im September 2020 unter der Überschrift „Wie aus einem tragischen Unfall ein brutaler Neonazi-Mord wurde“ in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurden.

Anja Reich und Jenni Roth wollten wissen: Was ist wirklich passiert?

Hintergrund: Im Jahr 1986 starb der Mosambikaner Manuel Diogo bei einer Zugfahrt in Brandenburg. Für die DDR-Behörden war es ein Unfall. Aber 30 Jahre später hieß es plötzlich, Neonazis hätten den Mosambikaner ermordet, die Stasi habe es vertuscht. Anja Reich und Jenni Roth fragten sich: Was ist wirklich passiert? Durch ihre hartnäckige Arbeit entlarvten die Reporterinnen der Berliner Zeitung den vermeintlichen Neonazi-Mord als Medien-Legende. Dass es keine Anhaltspunkte für ein Tötungsdelikt und Manipulationen gibt, bestätigte schließlich auch die Staatsanwaltschaft. Nicht zuletzt setzten sich Anja Reich und Jenni Roth unter der Überschrift „Das Geschäft mit der DDR“ kritisch mit einem Historiker auseinander, der zur Verbreitung der falschen Mordthese beigetragen hatte.

Hier geht es zum Podcast „Erfindung eines Verbrechens – Der Fall Diogo: Soeben ist der siebte Teil auf der Internetseite der Berliner Zeitung erschienen.