Washington - Gegen den verschwundenen Freund der mutmaßlich getöteten Gabby Petito in den USA ist Haftbefehl erlassen worden. Das teilte das örtliche FBI in Denver am Donnerstag mit. Der 23-Jährige werde wegen Bankbetrugs gesucht, hieß es in einem entsprechenden Gerichtsdokument des Bezirksgerichts im US-Bundesstaat Wyoming. Der junge Mann habe zwischen dem 30. August und 1. September unbefugt eine Bankkarte verwendet. In dem Dokument stand nicht, wem die Karte gehörte. Es heißt jedoch, dass der 23-Jährige rund 1000 US-Dollar (rund 850 Euro) abgehoben habe.

Das FBI forderte alle Menschen auf, die etwas über die Rolle des Freundes im Fall Gabby Petito oder seinen Aufenthaltsort wüssten, sich mit den Ermittlern in Verbindung zu setzen. Die Polizei in Florida, wo das Paar wohnte, hatte in den vergangenen Tagen in einem Naturschutzgebiet nach dem 23-Jährigen gesucht. Das Gerichtsdokument ist auf Mittwoch datiert.

Ermittler gehen von Tötungsdelikt aus

Das Paar hatte sich bei seiner Reise offenbar heftig gestritten. Mitte August schritt im Bundesstaat Utah die Polizei ein. Auf Aufnahmen der Körperkamera eines Polizisten ist Petito zu sehen, wie sie weinend einräumt, sie habe ihren Verlobten bei einem Streit geschlagen. Sie gibt auch an, unter psychologischen Problemen zu leiden. Die Polizei verzichtete auf eine Anzeige, verpflichtete das Paar aber, eine Nacht getrennt zu verbringen.

Der Fall Gabby Petito hat in den USA aber auch weltweit große Aufmerksamkeit erregt. Petito und ihr Freund waren im Sommer zu einer Reise durch die USA aufgebrochen, die sie in sozialen Netzwerken dokumentiert hatten. Petitos Freund kehrte schließlich ohne seine Freundin von dem Trip zurück. Die Leiche der 22-Jährigen wurde am Wochenende in Wyoming entdeckt. Die Ermittler gehen nach der Obduktion der Leiche von einem Tötungsdelikt aus. Die genaue Todesursache ist aber noch unklar, wie das FBI erklärte. Das endgültige Ergebnis der Autopsie liegt noch nicht vor. Von ihrem Freund fehlt mittlerweile jede Spur – dessen Eltern hatten ihn vergangene Woche als vermisst gemeldet. Die Polizei hat ihn als „Person von Interesse“ eingestuft. Der 23-Jährige gilt damit offiziell nicht als Verdächtiger.