Berlin - Im Fall der vor knapp zwei Jahren verschwundenen Rebecca aus Berlin spricht jetzt zum ersten Mal eine wichtige Zeugin. Die Frau hatte am Tag des Verschwindens der Schülerin einen nach ihren Angaben „auffälligen Mann“ im Wald nahe dem Dorf Kummersdorf gesehen. Sie sei an dem Tag mit zwei Freundinnen auf einem Ausritt gewesen. Die Polizei durchsuchte den Wald später. Ein weiterer Zeuge hatte sich erinnert, am 18. Februar dort ein Auto gesehen zu haben, das aussah wie der himbeerrote Renault Twingo des Schwagers von Rebecca. Er gilt nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft bis heute als tatverdächtig. Beweisen können die Ermittler ihre Vorwürfe aber nicht.

In dem Podcast „Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch“ (bei Podimo) geben die Journalistinnen Miriam Arndts und Lena Niethammer die Aussagen der Frau wieder. Angesichts der Suchaktion der Polizei im März sei ihr und ihren Freundinnen wieder der Mann eingefallen, den sie bei einem Ausritt im Februar gesehen hatten. Durch Smartphone-Fotos hätten sie den Zeitpunkt bestimmt: 18. Februar 2019, kurz vor Mittag.

Zu dritt seien sie mit Pferden in dem Waldstück unterwegs gewesen, sagte die Frau laut dem Podcast-Bericht. Zwischen den Bäumen hätten sie einen Mann mit Baseballkappe gesehen. Er sei direkt aus dem Wald gekommen, habe sich ständig in alle Richtungen umgesehen und sei in Richtung eines Weges, der zu einer Bungalowsiedlung führt, gelaufen. Als er die Reiterinnen bemerkt habe, sei er schneller gegangen, habe nur noch nach unten gesehen und dann leicht seine Richtung geändert, um durch Sträucher hindurch erneut in den Wald zu laufen.

Sie und ihre Freundinnen hätten das damals sehr auffällig gefunden und überlegt, ob der Mann ein Problem habe, sagte die Frau laut den Journalistinnen. In dem Wald seien sonst nur Spaziergänger zu zweit, Menschen mit Hunden, Radfahrer oder Pilzsammler unterwegs. Das Gesicht des Mannes hätten sie nicht gesehen, die Kappe habe eine ähnliche Farbe gehabt wie auf den Fahndungsbildern des verdächtigen Schwagers.

Mehrfach habe die Frau betont, dass sie niemanden konkret beschuldigen wolle, berichten die Journalistinnen in ihrem Podcast. Es könne auch ein Zufall gewesen sein – aber der Zeitpunkt, das Verhalten des Mannes und die Ähnlichkeit der Kappe seien schon auffällig gewesen, so die Frau. Die Polizei habe sie dann mehrfach zu dem Vorfall befragt.

Nach dem Verschwinden Rebeccas war der Schwager zweimal von der Polizei festgenommen worden. Sein Auto war am Tag des Verschwindens und am folgenden Tag auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen erfasst worden. In den folgenden Wochen durchsuchten Hunderte Polizisten im dünn besiedelten Brandenburg 50 Kilometer südöstlich von Berlin mehrere große Waldstücke. Leichenspürhunde schnüffelten im Unterholz und an Seeufern, Mantrailer-Hunde wurden an der Autobahn entlang geführt, Taucher stiegen von Booten in Gewässer. Rebecca bleibt bis heute verschwunden, auch eine Leiche wurde nicht gefunden.