Hamburg - In Hamburg sind offenbar wochenlang falsche Daten zur Impfquote herausgegeben worden. Zu den gesondert angegeben Inzidenzzahlen der Ungeimpften wurden offenbar auch jene Infizierten gezählt, deren Impfstatus unklar war. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Parlamentsanfrage der FDP-Politikerin Anna von Treuenfels-Frowein hervor, die durch Recherchen der Welt angestoßen wurde. Die Hamburger Landesregierung wird nun dafür kritisiert, auf Grundlage dieses zweifelhaften Datenmaterials ihre Coronapolitik beschlossen zu haben.

Tschentscher:  Öffentlichkeit „auf keinen Fall“ belogen

In einem Interview mit der Bild sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Montag: „Wenn es Verunsicherungen gegeben hat, bedauere ich das sehr. Ich versichere den Hamburgerinnen und Hamburgern, dass unsere Empfehlungen sehr gut begründet sind.“ 

Tschentscher sieht im Einsatz von verschiedenen IT-Systemen eine Ursache. Die Systeme würden unterschiedliche Kategorien zum Impfstatus vorsehen, erklärte er in dem Interview. Zudem hätte die steigende Zahl an Infektionen nicht schnell genug eingestuft werden können, so der Hamburger Bürgermeister. Deshalb sei die Veröffentlichung der Daten gestoppt worden. Man wolle den Vorfall nun aufklären, heißt es. 

In dem fraglichen Zeitraum hatte Tschentscher angegeben, dass 95 Prozent der Neuinfektionen auf Ungeimpfte zurückzuführen seien. Er habe die Öffentlichkeit „auf keinen Fall“ belogen, so der SPD-Politiker. Die Corona-Maßnahmen in Hamburg basierten Tschentscher zufolge nicht auf diesen Zahlen: „Wir beurteilen die Lage nicht anhand einzelner Zahlenwerte“, so seine Worte.