Es brodelt in Berlin. Wieder einmal knallharter Abstiegskampf in der Bundesliga, nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang 16 – und jetzt auch noch ein offener Konflikt mit den Ultras: Die Lage bei Hertha BSC ist explosiv, nachdem der Klub als Reaktion auf den jüngsten Vorfall rechtliche Schritte gegen Teile der organisierten Fanszene prüft.

Entspannen wird diese Entscheidung, die Hertha am Donnerstag kommunizierte, das Verhältnis zu den Ultras wohl kaum. Jene sind wütend ob der Gesamtsituation: Platz 13, 22 Punkte – und der Trend geht nach unten. Trainer Tayfun Korkut, der Ende November für den entlassenen Pal Dardai gekommen war, hatte bereits am vergangenen Montag mit Blick auf die sportliche Lage zu beruhigen versucht.

Tayfun Korkut: „Innere Ruhe und Glaube an das, was wir machen“

„Hertha ist nicht der erste Verein, den ich in so einer Situation übernehme. Und Ruhe ist unheimlich wichtig, innere Ruhe und der Glaube an das, was wir machen“, sagte der 47-Jährige: „Die letzte Woche wird uns nicht umhauen, da bin ich mir sicher.“ Doch schon davor, nach dem Aus im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den Stadtrivalen Union Berlin (2:3), hatte sich der Unmut der Fans entladen.

Circa 80 Anhänger unterbrachen das nicht-öffentliche Abschlusstraining am vergangenen Samstag vor der Partie gegen Bayern München (1:4). „Ihr reißt euch jetzt am Riemen oder wir zünden die nächste Stufe“, schimpfte ein Fansprecher, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist. Jene Stufe schien nun schnell erreicht – doch anders als gedacht.

Am vergangenen Mittwoch trafen sich die Geschäftsführer Ingo Schiller und Fredi Bobic mit Fanvertretern. In jenem Dialog habe Hertha betont, „dass Verständnis für Kritik und Botschaften vorhanden und dabei der Dialog das Mittel der Wahl“ sei, hieß es in einer Vereinsmitteilung. Gleichzeitig kritisierte der Verein das Vorgehen der Fans, da „in vielfältiger Weise Grenzen überschritten“ worden seien.

Zwei weitere Niederlagen könnten Abstiegsplatz bedeuten

Ferner hätten Schiller und Bobic „eine Stellungnahme in Form einer öffentlichen Entschuldigung für dieses Vorgehen und den Vorfall“ gefordert, zu der die Fans jedoch nicht bereit gewesen seien. Folglich sah sich Hertha veranlasst, „sämtliche gebotenen, rechtlichen Maßnahmen zu prüfen und entsprechend zu veranlassen“. Laut Bild-Zeitung soll es sich um Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und Nötigung handeln.

Für die Berliner, die in der Liga zuletzt dreimal sieglos blieben, kommen die Querelen zur Unzeit. Nach der Länderspielpause wartet der VfL Bochum am kommenden Freitag (20.30 Uhr, DAZN), am Spieltag danach die SpVgg Greuther Fürth. Beide Aufsteiger müssen zwingend besiegt werden, oder das Korkut-Team steht möglicherweise schon auf einem Abstiegsplatz.

Um dies zu verhindern, sondiert Bobic auch weiterhin den Transfermarkt. In der Abwehr hatte der Klub bereits mit Marc Oliver Kempf (VfB Stuttgart) und Fredrik Andre Björkan (FK Bodö/Glimt) nachgebessert. Für die krankende Offensive ist die Hertha laut Kicker an Flügelspieler Dong-Jun Lee interessiert, der südkoreanische Nationalspieler steht in seiner Heimat bei Ulsan Hyundai unter Vertrag. Auch Bayer Leverkusens Lucas Alario ist für das Sturmzentrum ein Thema.