FDP-Fraktionschef Christian Dürr ist dafür, dass die Isolation von Corona-Infizierten nur noch freiwillig erfolgt. „Viele andere europäische Länder gehen den Weg, dass sich positiv Getestete nicht mehr in Zwangsisolation begeben müssen“, sagte er dem Spiegel laut Vorabmeldung vom Freitag. „Auch da sollten wir in Deutschland auf mehr Eigenverantwortung setzen, wie wir es auch bei anderen Infektionskrankheiten tun.“ Es sei etwa denkbar, dass Infizierte mit Maske das Haus verlassen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Anfang April nach Beratungen mit seinen Länderkolleginnen und -kollegen verkündet, dass sich Corona-Infizierte ab Mai nur noch freiwillig in Isolation begeben sollen. Nur einen Tag später kassierte er die Entscheidung in einer TV-Talkshow wieder ein. Es wäre ein „verheerendes Signal“, hier auf Freiwilligkeit zu setzen, erklärte Lauterbach seinen Sinneswandel.

Mit der FDP hatte Lauterbach zuvor über die Novelle des Infektionsschutzgesetzes gestritten. Der gefundene Kompromiss bedeutete, dass nach einer Übergangsfrist Anfang April bei sehr hohen Inzidenzen viele Eindämmungsmaßnahmen abgeschafft wurden.

„Es war richtig, den europäischen Weg zu gehen“

Dürr zog eine positive Bilanz dieses Schrittes. „Ich fühle mich einen Monat nach Änderung des Infektionsschutzgesetzes ausdrücklich darin bestätigt, dass sich die Sicht der FDP durchgesetzt hat“, sagte er dem Spiegel. „Es war richtig, den europäischen Weg zu gehen und nicht den chinesischen“, fügte er hinzu. „Wir sollten so weit wie möglich zur Normalität zurückkehren und uns daran gewöhnen, dass es dieses Virus gibt.“

Harsche Kritik an der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes hatten unter anderem Vertreter der Länder und Kommunen geäußert sowie Sozialverbände und die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Geäußert wurde insbesondere die Sorge, dass sich besonders vulnerable Gruppen nun deutlich schlechter vor dem Virus schützen könnten.