Berlin - Politiker von FDP und Grünen haben politische Einflussnahme auf das Robert-Koch-Institut beklagt und Kritik an Instituts-Chef Lothar Wieler geübt. Anlass für die Kritik ist das Eingeständnis des Instituts vom Donnerstag, dass die Zahl der geimpften Menschen in Deutschland lange zu niedrig angegeben worden sei. Bei Wieler gebe es „von Fehlereinsicht keine Spur“, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus der Bild vom Samstag.

Wieler sei „zu nah dran an der Linie der Bundesregierung“, kritisierte sie. Die FDP wolle, dass die Behörde nicht länger dem Bundesgesundheitsministerium untersteht: „Wir machen uns dafür stark, dem RKI künftig politische Unabhängigkeit zu garantieren.“

Aschenberg-Dugnus sagte weiter: „Wir haben schon vor Monaten geahnt, dass die Impfrate zu niedrig ausgewiesen wird.“ Doch die Bundesregierung habe dies stets bestritten. „Jetzt haben wir Oktober, und Herr Wieler korrigiert die Quote um fünf Prozent nach oben. Und es wird so getan, als wäre das ein Erfolg.“

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek kritisierte in Bild: Andere Länder „kennen solche Probleme mit der Erfassung der Impfquote nicht: Deutschland ist mal wieder überfordert.“ Janecek sieht auch eine Mitverantwortung Wielers für die langen Schulschließungen in Deutschland: „Das RKI hat einen Kurs mitgetragen, der auf Kinder als angebliche Infektionstreiber ein besonderes Augenmerk gelegt hat.“

RKI korrigiert Impfquote um fünf Prozent nach oben 

Das RKI hatte in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht mit Blick auf die bislang offiziell bekannt gegebene Impfquote geschrieben, es müsse hier eine „Unterschätzung von bis zu fünf Prozentpunkten für den Anteil mindestens einmal Geimpfter beziehungsweise vollständig Geimpfter angenommen werden“.

Es sei „in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 Prozent und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 Prozent auszugehen“. Die bislang offiziell dem RKI gemeldeten Zahlen dagegen ergaben bei den Erwachsenen aktuell eine Impfquote von 79,1 Prozent für mindestens einmal Geimpfte und 75,4 Prozent für vollständig Geimpfte.

Als Grund für die Verzerrung der Zahlen nannte das RKI, dass manche Impfstellen nicht alle Impfungen an das Institut melden würden. Um die gemeldeten Zahlen zu überprüfen, ließ das Institut eine Telefonumfrage unter mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürgern erstellen – deren Ergebnis wies auf eine deutlich höhere Impfquote hin.