Schopfheim - Unzählige Urzeitkrebschen tummeln sich derzeit in einem See in Südbaden – obwohl das Gewässer sonst die meiste Zeit über gar nicht existiert. Der Eichener Feenkrebs, so heißt die schätzungsweise 400 Millionen Jahre alte Art, habe dazu eine besondere Strategie entwickelt, sagte Hans Pellmann, Biologe und Leiter des Museums für Naturkunde in Magdeburg, der Deutschen Presse-Agentur. Schlüssel sei eine spezielle Dauerform, die sich aus den Eiern entwickle und jahrelange Trockenheit überstehe.

Der Eichener See nahe Schopfheim ist ein temporärer See, der nur zu Tage tritt, wenn es in der Gegend besonders viel regnet oder durch Schneeschmelze Tauwasser anfällt, wie der örtliche Naturschutzwart Hartmut Heise erklärte. Nach unten hin könne das Wasser wegen einer undurchlässigen Schicht nicht gut abfließen. Laufe diese „Wanne“ über, erscheine der See. Nach einer Zeit trocknet er wieder aus.

Elf bekannte Arten von Urzeitkrebsen in Deutschland

Trotzdem überlebt hier der Eichener Feenkrebs: Die Weibchen des „Tanymastix stagnalis“ legten Eier ins Wasser ab, in deren Schale die Weiterentwicklung zu Zysten erfolge, erklärte Biologe Pellmann. Diese Dauerform harre dann auf der Grasnarbe aus. Fülle sich der See wieder, schlüpften innerhalb weniger Tage Feenkrebs-Larven. Nach drei bis vier Wochen seien die Tiere ausgewachsen und könnten sich paaren.

Insgesamt gibt es dem Museumsleiter zufolge elf bekannte Arten von Urzeitkrebsen in Deutschland, wovon zwei jedoch vermutlich schon ausgestorben sind. Den Eichener Feenkrebs finde man außer in Südbaden nur noch an einer Handvoll anderer Orte.