Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht beim Thema Schnelltests weiter im Zentrum der Kritik. CSU-Generalsekretär Markus Blume warf Spahns Ressort hier Versäumnisse vor. „Tests sind die Brücke bis zum Impfangebot für alle. Aber leider sehen wir auch hier wieder: Es wurde zu spät, zu langsam, zu wenig bestellt. Man muss deutlich sagen, es sind wohl Fehler im Bundesgesundheitsministerium passiert. Jetzt muss endlich geliefert werden“, sagte Blume der Welt. 

Spahn verteidigte unterdessen die Teststrategie der Bundesregierung: „Es war nie vereinbart, dass der Bund diese Tests beschafft“, sagte er bei einer digitalen Gesprächsrunde mit dem rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf. 

Bereits in den letzten Wochen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Spahn immer schärfer kritisiert worden, auch wegen des Versagens bei der Impfstoffbeschaffung. Zumindest in diesem Punkt erhielt Spahn überraschend Rückendeckung von CSU-Chef Markus Söder. In der Talk-Sendung „Lockdown bis Ostern – weil Bund und Länder versagen?“ mit Maybrit Illner sagte Söder: „Man kann Jens Spahn viel zuschreiben, aber man kann ihm nicht zuschreiben, dass er für das Einkaufsmanagement in Europa zuständig war, dass da zu spät und auch zu wenig bestellt wurde.“

Spiegel: „Die Hauptverantwortung trägt die Bundeskanzlerin“

In einem Leitartikel des Spiegel heißt es unter dem Titel „Es reicht, Herr Spahn!“, dass Spahn „für die Pleiten mitverantwortlich“ sei. Und weiter: „Deutschland, das muss man leider sagen, wird derzeit grottenschlecht regiert, von der Bundeskanzlerin, von der Runde der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, von einigen Ministern, namentlich von Gesundheitsminister Jens Spahn. Das muss Konsequenzen haben.“

Allerdings heißt es hier auch: „Die Hauptverantwortung trägt die Bundeskanzlerin.“ Und weiter: Ihre „Gesamtbilanz als Kanzlerin ist verdorben“. Autor Dirk Kurbjuweit: „Eigentlich wären zwei Rücktritte fällig.“

Kanzleramtschef Helge Braun machte unterdessen wenig Hoffnungen für Reisen über Ostern und blieb auch mit Blick auf den Sommerurlaub vorsichtig. „Ich bin sehr skeptisch, was Reisen an Ostern angeht“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Für den Sommerurlaub sei es „ein bisschen kühn, darüber schon zu spekulieren“. Braun betonte aber: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns im Sommer – wie im vergangenen Jahr – draußen ziemlich normal bewegen können.“

Am Sonnabend begann der Verkauf von Selbsttests im Einzelhandel, den Auftakt machte Aldi. Die Selbsttests waren aber vielerorts innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Der Discounter zeigte sich von dem Ansturm überrascht. „Die Artikel, die wir stationär in den Filialen vorrätig hatten, waren am Vormittag in den meisten unserer Filialen erwartungsgemäß ausverkauft“, teilten Aldi Süd und Aldi Nord mit. Das Interesse an den Tests habe „in dieser Intensität doch überrascht“. Mehrere andere Supermarkt- und Drogeriemarkt-Ketten planen den Verkaufsstart für die kommende Woche.

Corona: Bisher 29.000 erkrankte Heimbewohner gestorben

Kritik an der Teststrategie der Regierung kommt auch von den Grünen. „Längst hätte sie eine Teststrategie vorlegen und viele Millionen Tests kaufen können, aber nach Monaten gründet sie jetzt erstmal eine Task Force“, sagte Parteichefin Annalena Baerbock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies sei ein „Wegducken vor Verantwortung“.

„Ich bin heute wirklich fast vom Stuhl gefallen, als die Bundesregierung jetzt ihren Gipfel abgesagt hat mit den Bundes-Wirtschaftsverbänden. Die jetzt darüber auch sehr fassungslos sind, dass Aldi und einige andere – Lidl, DM, Rossmann – die Schnelltests zur Verfügung stellen können, der Bund aber nicht“, sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki RTL und ntv. „Das ist wirklich ein Treppenwitz der Geschichte.“

Nach einer Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter den Gesundheits- und Sozialministerien der Bundesländer sind bisher mindestens 29.000 an Corona erkrankte Heimbewohner gestorben, etwa 40 Prozent der insgesamt an oder mit der Viruserkrankung Gestorbenen. Nicht alle Bundesländer weisen demnach aus, wie hoch der Anteil an allen Corona-Verstorbenen ist. Doch in denen, die es tun, seien die Zahlen teilweise hoch, so die Zeitung. Sie reichten von 25 Prozent in Sachsen und 29 Prozent in Sachsen-Anhalt über 35 Prozent in Niedersachsen, 39 Prozent in Baden-Württemberg und 40 Prozent in Nordrhein-Westfalen bis hin zu 47 Prozent im Saarland, 54 Prozent in Bayern und 60 Prozent in Hamburg.