Chemnitz - Nach Jahren des Wartens steuert Chemnitz auf eine eigene Fernbahnanbindung zu. Derzeit werde ein europaweites Vergabeverfahren vorbereitet, sagte ein Sprecher des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) am Mittwoch. Damit soll es künftig eine „fernverkehrstaugliche und umsteigefreie“ Direktverbindung zwischen Chemnitz und Berlin geben. 

Zuvor hatte die Freie Presse berichtet, dass Chemnitz ab Sommer 2022 mit einem Intercity (IC) einen Anschluss an das Fernnetz der Bahn erhalten soll. Der VMS-Sprecher bezeichnete das Zeitfenster als realistisch. Seit 2006 ist die mit 245.000 Einwohnern viertgrößte Stadt in Ostdeutschland vom Fernverkehr der Bahn abgehängt.

Fernbahnanbindung an Chemnitz seit Jahren ein leidiges Thema

„Es ist schon lange unser Ziel, dass Chemnitz endlich an den Fernverkehr angebunden wird“, betonte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Geplant sei dafür die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz–Leipzig. Das sei aber erst langfristig möglich. Deshalb prüfe man mit dem Zweckverband nun andere Optionen und die Möglichkeit, den Fernverkehr von Dresden bis nach Chemnitz zu verlängern. Dafür sollen zusätzlich Mittel bereitgestellt werden. Wenn die Voraussetzungen im Haushalt geschaffen seien, könne die Strecke ausgeschrieben werden, hieß es.

„Die Fernbahnanbindung ist ein seit Jahren leidiges Thema für Chemnitz“, so der Oberbürgermeister der Stadt, Sven Schulze (SPD). Nun scheine eine Möglichkeit gefunden, einen Fernbahnanschluss über Dresden und Berlin zu realisieren. Zugleich betonte Schulze, dass eine mögliche Anbindung nur ein „erster Schritt“ sei. „Neben der Strecke nach Dresden und später nach Leipzig möchte ich Chemnitz auch in Richtung Thüringen und Bayern besser anbinden“, so Schulze. Dafür müssten allerdings zuerst die Strecken ausgebaut werden.