Ein Brandermittler steht am Freitagmorgen auf dem Balkon der ausgebrannten Wohnung. 
Foto: Eric Richard

BerlinIn einem mehrstöckigen Wohnhaus in der Steinmetzstraße in Schöneberg ist es am frühen Freitagmorgen zu einem verheerenden Brand gekommen. Trotz langer Reanimationen starben eine 35-jährige Frau und ihr siebenjähriger Sohn. Die zwölfjährige Tochter überlebte leicht verletzt. Sie war während des Brandes in ein Zimmer gelaufen, in dem es ein Fenster gab, berichteten Zeugen der Berliner Zeitung. Der Vater, ein Klempner, war kurz zuvor zu seiner Arbeit auf eine Baustelle in Brandenburg aufgebrochen. 

Anwohner hatten um 6.07 Uhr den Notruf gewählt, weil sie Feuer und Rauch im Hausflur des dritten Obergeschosses wahrgenommen hatten. Einer der Nachbarn, der anonym bleiben möchte, schilderte der Berliner Zeitung, wie er versuchte, die Familie zu retten. Demnach hatte er sich bis zu der Wohnungstür der Familie durchgekämpft, aus der bereits dichter Rauch quoll. Das Mädchen hatte es bis dahin ins Badezimmer geschafft, wo es am Fenster Frischluft atmete. Das Zimmer soll sich direkt neben der Wohnungstür befunden haben. „Sie war die ganze Zeit mit mir in Kontakt. Die Mutter und der Junge waren offenbar in einem der hinteren Zimmer. Sie kamen nicht durch den verrauchten Flur. Ich habe versucht, mit meiner Kreditkarte die Tür zu öffnen. Doch das Plastik schmolz“, berichtete der Nachbar.  

Feuerwehrleute brachen die Tür auf

Das Mädchen habe dem Mann erzählt, dass ihr kleiner Bruder das Feuer als Erster bemerkte und dann alle anderen aufgeweckt habe, in dem er schreiend durch die Wohnung lief. Innerhalb weniger Minuten breiteten sich erst die giftigen Rauchgase und dann die Flammen in der ganzen Wohnung aus. Alarmierte Feuerwehrleute brachen die Tür schließlich mit einer Axt auf und brachten die Kinder ins Freie. Für die Mutter, die nach Angaben von weiteren Nachbarn gehbehindert gewesen sein soll, konnte nur noch tot geborgen werden. 

Ein Rettungshubschrauber hat den wiederbelebten Jungen in ein Krankenhaus gebracht. 
Foto: Morris Pudwell

Der Siebenjährige wurde nach der erfolgreichen Wiederbelebung mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Am Nachmittag teilte die Polizei mit, dass auch der Junge seinen schweren Verletzungen erlag. Das zwölfjährige Mädchen erlitt eine schwere Rauchgasvergiftung. Auch einer 73 Jahre alte Nachbarin musste von Sanitätern behandelt werden. Sechs weitere Hausbewohner wurden teils mit Fluchthauben aus dem Gebäude in Sicherheit gebracht.

Die Feuerwehr war nach Angaben eines Sprechers mit 60 Rettungskräften sowie 20 Einsatzfahrzeugen vor Ort. Wie es zum Ausbruch des Feuers kam, ist derzeit noch unklar. Die Wohnung brannte komplett aus, was die anschließenden Ermittlungen zur Brandursache schwierig gestalten werde, sagte ein Polizeisprecher. 

Der Einsatzort an der Steinmetzstraße war für die Löscharbeiten zunächst großräumig abgesperrt. Gegen 8.30 Uhr meldete die Verkehrsinformationszentrale: „Der Bereich Potsdamer Straße und Goebenstraße ist wieder frei. Es ist momentan nur die Steinmetzstraße gesperrt.“