Flucht vor Mobilmachung: Fast 100.000 Russen nach Kasachstan gereist

Der kasachische Präsident sicherte den fliehenden Russen Schutz zu. Auch in der Türkei kommen immer mehr Menschen an, die vor der Teilmobilisierung fliehen.

Russische Bürger warten in einem Behördenzentrum in Almaty, um eine Identifikationsnummer für Kasachstan zu erhalten.
Russische Bürger warten in einem Behördenzentrum in Almaty, um eine Identifikationsnummer für Kasachstan zu erhalten.dpa/NUR.KZ/Vladimir Tretyakov

 Nach der Bekanntgabe des Kremls vergangenen Mittwoch, 300.000 weitere Soldaten für den Krieg einzuziehen, stand die Entscheidung vieler Russen fest. Sie versuchten so schnell wie möglich das Land zu verlassen. In Georgien und Finnland bildeten sich bereits am Tag nach Bekanntgabe lange Staus an den Grenzen.

Auch nach Kasachstan soll es nun Zehntausende Russen verschlagen haben. Wie die Tagesschau berichtete, sollen laut Migrationsbehörde des kasachischen Innenministeriums rund 98.000 russische Staatsbürger eingereist sein. Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew sicherte den vor der russischen Teilmobilmachung nach Kasachstan fliehenden Russen Schutz zu.

17.000 Russen reisten am Wochenende nach Finnland

Die Türkei, ein beliebtes Urlaubsziel der Russen, ist eines der wenigen Länder, in die es noch Flüge aus Russland gibt. Und sie verlangt kein Visum, was spontane Reisen erleichtert. Kurz nachdem Präsident Wladimir Putin die Teilmobilmachung bekannt gegeben hatte, waren die Flugtickets ausverkauft.

Die Fluggesellschaft Turkish Airlines begann, auf ihren Verbindungen nach Russland größere Maschinen einzusetzen. Die Ticketpreise vervielfachten sich. Auch der nördliche Nachbar Finnland wird für viele Russen zum Zufluchtsort. Knapp 17.000 Russen reisten nach Angaben des finnischen Grenzschutzes allein am Wochenende ein – so viele wie nie zuvor in diesem Jahr.

Auch die Bundesrepublik will russische Deserteure aufnehmen. Doch es gibt Hürden. In jedem Einzelfall müssten die „tatsächlichen Beweggründe“ der Ausreise nach Deutschland geprüft werden, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag in Berlin. Insbesondere müsse darauf geachtet werden, ob Einreisende „womöglich im Auftrag der russischen Staatsmacht“ nach Deutschland kämen.