Warnstreik am Flughafen Berlin Brandenburg: Alle Flüge gestrichen

Seit 3.30 Uhr läuft der folgenreiche Warnstreik von Beschäftigten am Flughafen BER. Der Passagierverkehr ist am Mittwoch ganztägig lahmgelegt.

Leere Hallen am BER.
Leere Hallen am BER.Markus Waechter/Berliner Zeitung

Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) läuft aktuell einer der folgenreichsten Warnstreiks der vergangenen Jahre. Die Gewerkschaft Verdi rief die 6000 Beschäftigten der Flughafengesellschaft, der Bodenverkehrsdienste und der Luftsicherheit auf, bis 23.59 Uhr die Arbeit niederzulegen. Dadurch kann am Mittwoch kein Passagierverkehr am BER abgewickelt werden. Ursprünglich geplant waren 300 Starts und Landungen mit etwa 35.000 Passagieren. Sämtliche Flüge werden an den Infotafeln als gestrichen angezeigt.

Je nach Airline erhielten die Kunden die Möglichkeit, ihre Reisen umzubuchen oder alternativ auf die Bahn umzusteigen. Einige wenige Flüge weichen nach Dresden und Leipzig/Halle aus.

Verdi-Streik: Stillstand im BER, Demonstrierende vor dem Terminal

Etwa 1500 Menschen haben sich demnach am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zur Warnstreik-Kundgebung der Gewerkschaft Verdi versammelt. „Wir stehen zusammen als BER-Familie in dieser Tarifauseinandersetzung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler am Mittwoch. Die Bereitschaft der Beschäftigten zum Warnstreik sei stets groß gewesen. „Es ging nicht um das Ob, sondern um das Wann“, sagte Rößler.

Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Enrico Rümker haben sich mehr als 1800 Streikende am Mittwoch in die ausgelegten Listen eingetragen. Nach der Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz zogen die Streikteilnehmer in einem langen Zug fahnenschwenkend und pfeifend über die Straßen rund um den Flughafen und einmal quer durchs Terminal.

Der Passagierverkehr am BER stand derweil still. Die Hallen waren leer. Nur vereinzelt kamen Fluggäste an, die nicht rechtzeitig von den Ausfällen gehört oder von ihren Fluggesellschaften informiert worden waren. 

Ganztägiger Verdi-Streik: Das fordern die Teilnehmenden

Verdi fordert für die Beschäftigten der Flughafengesellschaft und der Bodenverkehrsdienste 500 Euro mehr Lohn pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite fordert in beiden Verhandlungen vor allem deutlich längere Vertragslaufzeiten. Die nächsten Verhandlungsrunden folgen am 30. Januar (Bodenverkehrsdienste) und 8. Februar (Flughafengesellschaft).

Der Zug einer Demonstration zum Warnstreik am Flughafen Berlin-Brandenburg BER zieht Richtung Terminal 1. 
Der Zug einer Demonstration zum Warnstreik am Flughafen Berlin-Brandenburg BER zieht Richtung Terminal 1. Christoph Söder/dpa

Letzter großer Warnstreik im Jahr 2018

Der bisher letzte große Warnstreik mit ähnlichen Folgen liegt bereits einige Jahre zurück: Im April 2018 mussten deutschlandweit Hunderte Flüge annulliert werden, weil die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes nicht vorankamen. In acht Bundesländern legten bei einem Warnstreik Zehntausende Beschäftigte die Arbeit nieder. Neben Flughäfen waren vielerorts auch der städtische Nahverkehr, Kitas, Kliniken, Verwaltungen und Hallenbäder betroffen.

Flughäfen waren damals involviert, weil auch nach Privatisierungen noch zahlreiche Kommunalbeschäftigte unter anderem beim Gepäck und bei Personenkontrollen arbeiteten.