Wegen eines Warnstreiks sind bei Easyjet am BER an diesem Freitagmorgen zahlreiche  Flüge ausgefallen. „Am Morgen ging nichts raus – bis auf einen Flug“, sagte Holger Rößler, der zuständige Sekretär der Gewerkschaft Verdi, der Berliner Zeitung. Nach seinen Aussagen müssen die Easyjet-Passagiere am Hauptstadt-Flughafen mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen rechnen. Lege die Arbeitgeberseite nicht bald ein verhandlungsfähiges Angebot vor, „wird uns nichts anderes übrig bleiben“, so Rößler.

Im Streit um höhere Löhne hatte Verdi das Easyjet-Kabinenpersonal am BER dazu aufgerufen, am Freitag von 5 bis 10 Uhr die Arbeit niederzulegen. Von 130 Flügen vom und zum BER wurden elf Starts und elf Landungen gestrichen. Betroffen waren unter anderem Verbindungen nach Nizza, Mallorca, Amsterdam, Kopenhagen und London.

Die Bereitschaft, an dem Warnstreik teilzunehmen, war hoch, berichtete der Gewerkschaftssekretär. „Wir mussten niemanden überzeugen.“ Später am Morgen bat Verdi auch die Cockpitbesatzungen der britischen Luftfahrtgesellschaft, beim Warnstreik mitzumachen. „So kam es dann auch noch zu einem Unterstützungs-Warnstreik.“

Easyjet-Manager flogen eine Maschine vom BER in den Kosovo

Laut Verdi seien morgens alle geplanten Easyjet-Starts am BER ausgefallen. Weil die Einsatzpläne eng getaktet sind und an den Flughäfen nur kurze Wendezeiten vorsehen, sei das Flugprogramm des gesamten Tages durcheinander geraten, hieß es. „Wenn nichts rausgeht, kann auch nichts wieder reinkommen“, erklärte Holger Rößler.

Der Flug nach Prishtina im Kosovo konnte stattfinden. Mitglieder des Easyjet-Managements hätten das Cockpit übernommen und die Maschine geflogen, hieß es.

Von den Fluggästen am neuen Hauptstadt-Flughafen in Schönefeld hätten einige „sehr sauer“ reagiert, so Rößler. „Andere zeigten Verständnis.“ Im Terminal sei es im Großen und Ganzen ruhig geblieben. „Ein Manko war, dass niemand von Easyjet vor Ort war, um den Passagieren zu helfen“, berichtete der Gewerkschafter. „Easyjet hat eng mit dem Flughafen und den Bodendienstleistern zusammen gearbeitet, um die vom Warnstreik betroffenen Passagiere am Flughafen zu unterstützen“, sagte dagegen eine Sprecherin der Airline am Freitagmittag. Im gesamten europäischen Luftverkehr ist die Kundschaft auch schon einiges gewohnt: Wie berichtet fallen auch bei vielen Airlines immer wieder Flüge aus. Schuld sei ein erhöhter Krankenstand, aber auch Personalmangel, hieß es.

Zum Winterflugplan 2022 erwägt Easyjet, sieben von 18 Flugzeugen vom Flughafen BER abzuziehen und bis zu 275 Beschäftigte an diesem Standort zu entlassen. In welchem Umfang es tatsächlich zu Kürzungen kommt, hänge aber vom Ergebnis der Konsultationen mit der Personalvertretung ab, bekräftigte die Fluggesellschaft.

„Bis heute haben wir kein verhandlungsfähiges Angebot“

Hintergrund des Warnstreiks ist die laufende Vergütungstarifrunde für die Beschäftigten der Kabine. „Die Arbeitgeberseite hat uns kein neues Angebot zur Erhöhung der Vergütung vorgelegt und damit den Warnstreik selbst provoziert“, sagte Rößler. Die vorerst letzte Verhandlung habe am 16. Mai stattgefunden. Ein weiteres Treffen, das für den 30. Mai geplant worden war, sei abgesagt worden. „Bis heute haben wir kein verhandlungsfähiges Angebot“, so der Gewerkschafter. Bleibe es auch in den nächsten Tagen dabei, sei nicht ausgeschlossen, dass ein weiterer Warnstreik angesetzt wird.

Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde einen Ausgleich der aktuellen Preissteigerungen, jedoch mindestens fünf Prozent mehr Lohn sowie eine Einmalzahlung in Höhe einer Monatsvergütung inklusive Schicht- und Sektorenzulage. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2022 gelten. Die britische Fluggesellschaft möchte dagegen die Löhne und Gehälter in diesem Jahr nicht erhöhen - wie schon 2020 und 2021. Erst im kommenden Jahr soll die Vergütung steigen, aber weniger stark als von Verdi gefordert.

„Die exorbitant gestiegenen Preise sowie die große Mehrbelastung an Bord wegen der chaotischen Restart-Phase der ganzen Branche zeigen, dass unsere Forderungen mehr als berechtigt sind. Es ist höchste Zeit, dass die Kabinen-Crews dafür entlohnt werden“, so Rößler.

Easyjet kritisierte die Warnstreiks. „Wir sind äußerst enttäuscht über diese Aktion in dieser für die Branche kritischen Zeit“, so eine Firmensprecherin. „Wir haben bis zuletzt gehofft, dass die Gewerkschaft die Aktion nicht durchführt und stattdessen mit Easyjet das Gespräch sucht.“

„Wir wissen, dass dies eine schwierige Zeit für unsere Beschäftigten ist und konzentrieren uns darauf, im Interesse des langfristigen Erfolges des Unternehmens und unserer Beschäftigten eng mit ihnen zusammenzuarbeiten, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern“, sagte die Sprecherin.

„Auch wenn dies außerhalb unserer Kontrolle liegt, möchten wir uns bei unseren Passagieren  für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.