Der Druck auf Bundesgesundheitsministerin Anne Spiegel wächst. In Zusammenhang mit der Flutkatastrophe im Ahrtal mit 134 Toten wird jetzt bekannt: Die damalige Umweltministerin von Rheinland-Pfalz fuhr zehn Tage nach der Katastrophe für vier Wochen in den Sommerurlaub.

Während die Aufräumarbeiten nur schleppend vorankamen und viele Bewohner der betroffenen Gebiete weder Strom, Gas oder sauberes Wasser hatten, verweilte Spiegel mit ihrer Familie in Frankreich. Das Umweltministerium in Mainz bestätigte laut einem Bericht der Bild am Sonntag, dass Spiegel am 25. Juli nach Frankreich abreiste. Zwei Tage zuvor, also am 23. Juli, hatte die Grünen-Politikerin in einem SWR-Interview noch gesagt, die Trauer lasse sie nicht los. Spiegel sagte wörtlich: „Mir ist das Herz schwer.

Erst Aufräumarbeiten, dann Feriendomizil

Direkt nach der Katastrophe hatte Spiegels Presseteam bereits medienwirksame Termine vorgeschlagen. So hieß es in einer internen Nachricht: „Anne bei Reparaturarbeiten, bei Hochwasserschutzprojekten, dort, wo neue Gefahren drohen.“ Allerdings dürften die Termine „nicht nach politischer Instrumentalisierung aussehen“. Spiegel antwortet: „Das deckt sich mit meinen Überlegungen.“

Am 10. August unterbrach sie ihren Frankreich-Urlaub dann kurzzeitig. Sie zeigte sich öffentlichkeitswirksam bei einer Kläranlage in Dümpelfeld und informierte sich im Ahrtal über den Fortschritt der Aufräumarbeiten. Anschließend fuhr sie zurück in ihr Urlaubsdomizil. Der Urlaub endete nach Angaben des Umweltministeriums am 23. August, berichtet die Bild am Sonntag weiter. Allerdings sei Anne Spiegel während ihres Urlaubs telefonisch und per Mail „rund um die Uhr“ erreichbar gewesen.

Ob und wie lange Spiegel hingegen in der Nacht der Flutkatastrophe erreichbar war, ist weiter ungeklärt. Laut einer Anrufliste soll Anne Spiegel telefonisch nicht erreichbar gewesen sein, als die ersten Landkreise bereits den Katastrophenfall ausgerufen hatten, Straßen unterspült wurden und der Pegel in Altenahr von den tosenden Wassermassen weggerissen worden war. Spiegel hatte im Untersuchungssauschuss kürzlich zwar von „Tausenden Nachrichten“ in der Flutnacht und dem Morgen danach gesprochen. Einen Beleg dafür konnte Spiegel aber nicht vorweisen. Spiegel erklärte, der Mobilfunkanbieter habe auch Anruflisten trotz mehrerer Anfragen nicht liefern können.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) trat in Zusammenhang mit der Flutkatastrophe bereits zurück. Grund dafür war ein Mallorca-Urlaub kurz nach der Flutkatastrophe. Die Union fordert jetzt auch den Rücktritt von Anne Spiegel. CDU-Landeschef Christian Baldauf sagte der Bild am Sonntag, Spiegel sei „untragbar“. Ebenfalls der Bild am Sonntag sagte CSU-General Stephan Mayer: „Spiegel sollte sich ein Beispiel an Heinen-Esser nehmen und ihr Amt zur Verfügung stellen.“