Berlin - Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben in einem aktuellen Perspective Paper darauf hingewiesen, dass sich Corona-Masken auf die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen, negativ auswirken können.

Die Forscher vermuten, dass mentale Abbauprozesse so angekurbelt werden könnten. Ältere und mitunter auch Demenzkranke könnten der Hypothese nach darunter besonders leiden. Als möglicher Beleg für die Theorie wird zum einen eine Studie der Universität Bamberg aus dem Jahr 2020 angeführt, aus der hervorgeht, dass Gefühle deutlich weniger sichtbar sind, wenn 70 Prozent des Gesichts verborgen sind. 

Forscher: Ältere können Gefühle weniger gut anhand der Augenpartie erkennen 

Zum anderen habe eine Analyse am Institut gezeigt, dass die Augenpartie für manche Menschen keine hinreichende Informationsquelle für das Lesen von Emotionen sei. Vor allem Ältere hätten einen sogenannten Reading-the-Mind-in-the-Eyes-Test mit deutlich schlechteren Ergebnissen absolviert als Jüngere. Offenbar sind Ältere weniger dazu in der Lage, Ekel, Glück, Trauer oder Ärger anhand der Augenpartie zu erfassen, so die Forscher. 

Ältere sowie an bestimmten Demenzformen Erkrankte haben demnach möglicherweise Probleme, Emotionen zu erkennen, wenn die untere Gesichtshälfte durch eine Maske bedeckt ist. Jüngeren falle dies leichter, da sie den gesamten Gesichtsausdruck ihres Gesprächspartners für die Identifikation von Emotionen erfassen.

Dieser Unterschied liege in dem Umstand begründet, dass die sogenannte soziale Kognition bei Älteren und Dementen vermindert sei, heißt es. Matthias Schroeter, Leiter für Kognitive Neuropsychiatrie am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, sagt, dass daher „Effekte von Masken hier besonders berücksichtigt werden“ sollten. 

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sogar bei Jüngeren die soziale Kommunikation durch Mund-Nasen-Bedeckungen beeinträchtigt sein könnte. Die mentalen Abbauprozesse könnten sich zudem bei Menschen, die sich ohnehin in einer solchen Phase befänden, verschärfen.