BerlinFür die einen sind sie der Aufbruch in eine neue innovative Form der Arbeit. Für die anderen zerrütten sie die gesetzlichen Errungenschaften in der Arbeitswelt, den Wohnungsmarkt oder gleich die ganze Wirtschaft. Gemeint sind Plattformunternehmen wie Uber, Deliveroo und Airbnb. „Aber es gibt weder für eine rosarote Zukunft noch für das Heraufbeschwören des Endes unserer Wirtschaft empirische Belege“, sagt Stefan Kirchner, Leiter des TU-Fachgebietes Digitalisierung der Arbeitswelt und Wissenschaftler am Einstein Center Digital Future der Einstein-Stiftung Berlin. Diese Lücke soll nun mit einem Forschungsprojekt geschlossen werden.

Eine vergleichende Analyse in 28 EU-Ländern will herausfinden, ob sich Unternehmen wie Uber, Airbnb oder Deliveroo in das Gefüge nationaler, politischer und wirtschaftlicher Regeln einordnen oder diese unterlaufen. Stefan Kirchner leitet das Vorhaben zusammen mit Jürgen Beyer von der Universität Hamburg.

Kaum Wissen vorhanden

Unternehmen wie Uber, Deliveroo und Airbnb bieten über Plattformen, also digital, Dienstleistungen an, werden aber ortsgebunden ausgeführt wie beispielsweise die Auslieferung von Essen, das Mieten von Ferienunterkünften oder den Personentransport. Laut Kirchner würden einige Untersuchungen annehmen, dass diese sogenannten Gigwork-Unternehmen einer gesetzlichen Regulierung einfach ausweichen. Andere Studien würden jedoch davon ausgehen, dass nationale Gesetze und Regeln wirtschaftliche Aktivitäten prägen und so auch für Uber und Co. gelten. „Derzeit wissen wir jedoch vergleichsweise wenig darüber, ob und wie das nationale Gefüge aus Gesetzen und Regeln relevant ist für die bezahlte Arbeit auf Gigwork-Plattformen in vielen europäischen Ländern“, so Stefan Kirchner.

Die Wissenschaftler werden deshalb die systematische Verknüpfung von Gesetzen und Regeln und Gigwork-Plattformen in den 28 EU-Ländern vergleichend analysieren. Im Anschluss wollen sie beschreiben, worin die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen bestehen, die digitalisierte Arbeitswelt mit Gesetzen und Regeln einzufangen. Das Land Berlin ging beispielsweise mit dem Zweckentfremdungsgesetz gegen zunehmend gewerbsmäßige Angebote auf Airbnb vor. Gewerkschaften versuchten währenddessen immer wieder, auf die problematischen Arbeitsbedingungen bei Deliveroo hinzuweisen dagegen rechtlich vorzugehen.