Der deutsche Wald leidet. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz könnte sein Zustand analysiert werden. Auf Grundlage der Ergebnisse könnte der Wald besser geschützt werden.
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BerlinMit den Projekten „FirSt2.0“ und „TreeSatAI“ sind an der TU Berlin zwei der umfassendsten Forschungsprojekte zu Waldschäden in Deutschland gestartet.

Die Förderung kommt zur rechten Zeit, denn: Der Wald ist in Not. In den letzten drei Jahren waren deutsche Wälder extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Stürme, Phasen extremer Trockenheit und ein massiver Befall der Bäume durch den Borkenkäfer haben zu erheblichen Schäden in deutschen Wäldern geführt. 

„Der Klimawandel macht dem deutschen Wald, der nicht nur für Mensch und Tier Lebensraum und Lebensgrundlage ist, sondern von dem auch rund eine Million Arbeitsplätze in Deutschland abhängen, schwer zu schaffen. Allein in diesem Jahr hatten wir Waldbrände in einer Größenordnung von 2700 Hektar. Das gab es seit 30 Jahren nicht“, erklärt Prof. Dr. Birgit Kleinschmit, die an der TU Berlin das Fachgebiet Geoinformation und Umweltplanung leitet.

Bevor jedoch eine mögliche Strategie zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel entwickelt und Empfehlungen an die Forstwirtschaft gegeben und umgesetzt werden können, ist eine genaue Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Waldschäden und deren Ausmaß erforderlich. Hier setzen die beiden Projekte an.

Künstliche Intelligenz soll Zustand des Waldes analysieren


Ziel von „FirSt2.0“ ist die Entwicklung eines Softwareprodukts für Akteure aus Forstwirtschaft und Naturschutz. Es wird mit multisensoralen Satelliten-Fernerkundungsdaten, mit Messungen von Bodenfeuchte und anderen Stress-Parametern sowie mit Künstlicher Intelligenz eine genaue, kontinuierliche Untersuchung und Analyse des Zustands sowie der Schadarten der Wälder zulassen. Dieser Service eines Forschungsverbunds soll Forstwirtschaft und Naturschutz ein verbessertes Waldmanagement ermöglichen. „Das heißt, wir suchen nach Berechnungsverfahren für den Vegetationszustand, den wir vor Ort vorfinden und mit hochsensibler Technologie messen – also Waldschäden wie abnehmende Blattmasse, verwelkte oder verfrüht abfallendes Laub und anderes – aus denen dann Schäden für einen größeren Bereich abgeleitet und hochgerechnet werden können, später sogar für ganz Deutschland“, erklärt Dr. Michael Förster, der das Projekt am Fachgebiet koordiniert.

In dem Verbundprojekt „TreeSatAI“ werden innovative KI-Methoden für das Infrastruktur-, Naturschutz- und Waldmonitoring entwickelt. Von besonderem Forschungsinteresse ist dabei die Kombination von KI-Algorithmen mit großen Mengen an aktuellen Satelliten- und Drohnendaten, Informationen aus bereits vorhandenen, auch europäischen Umweltdatenbanken, Social Media und bürgerwissenschaftlichen Daten, um den Zustand im Wald lokal, regional und europaweit zu erkennen und zu überwachen.