New York/Berlin - Eine US-amerikanische Forscherin sieht die industrielle Verarbeitung von Plastik als eine der Hauptursachen für eine voranschreitende Zeugungsunfähigkeit bei Männern. Wie das Gesundheitsmagazin Fitbook berichtet, prophezeit Dr. Shanna Swan, Umweltmedizinerin am New Yorker Mount Sinai Hospital, vor allem bei Männern in westlichen Ländern eine immer schlechter werdende Spermienqualität.

Ursache dafür seien vor allem chemische Verbindungen in Verpackungen, Kosmetik und Nahrung. Wenn sich nichts gravierend ändere, gehe Swan davon aus, dass die Mehrheit der Männer im Jahr 2045 zeugungsunfähig sei. Dr. med. Christoph Pies, Facharzt für Urologie, bestätigte gegenüber Fitbook, dass sich die Spermienqualität vor allem bei Männern aus westlichen Ländern weiter verschlechtern wird. 

„Durchschnittswerte zu Testosteronspiegel und Spermaqualität haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Industrienationen konstant reduziert“, so Pies. Seit dem Jahr 1973 würde ein „Spermienschwund um 50 bis 60 Prozent“ verzeichnet. „Wenn der Trend sich konstant in der aktuellen Geschwindigkeit von 0,7 Millionen Spermien weniger pro Jahr fortsetzt, würde das von Swan geschilderte Szenario in 45 Jahren erreicht“, sagte der Arzt. „Also etwa 2066.“

Zeugungsunfähig: Immer mehr missgebildete Penisse 

Nach Angaben der amerikanischen Ärztin kämen Jungs heute häufiger mit fehlgeformten Penissen auf die Welt als noch vor einigen Jahrzehnten. Zu diesem Thema hatte sie lange recherchiert und ein Buch (Count Down) veröffentlicht. Sie führt den besorgniserregenden Trend auf den industriellen Einsatz bestimmter Plastikverbindungen zurück, sogenannter Phthalate. Diese sollen Männer zeugungsunfähig machen. 

Phthalate finden als Weichmacher in Kunststoffen Verwendung. Sie sind fast in sämtlichen PVC-haltigen Produkten enthalten. Die amerikanische Forscherin stützt ihre Warnung auf zahlreiche Studien, in denen der Effekt von Plastikfreisetzung auf die Fortpflanzungsorgane analysiert worden sei.

Phthalate verändern den Hormonhaushalt bei Männern

Man habe dabei verheerende Folgen auf die männlichen Genitalien festgestellt. Demnach greifen Phthalate mit einer östrogenähnlichen Wirkung in den Hormonhaushalt ein. Verschiedene wichtige Prozesse kämen so durcheinander und führten dazu, dass Männer zeugungsunfähig würden.

Neben Phthalaten sollen auch Parabene, also Konservierungsstoffe zum Beispiel als Pflege- und Kosmetikprodukten schädliche Wirkungen auf Fortpflanzungsorgane haben. Laut Pies hätten auch Pestizide in Obst und Gemüse sowie Hormone und Antibiotika in Tierprodukten oder im Grundwasser Einfluss auf den Hormonhaushalt und die Gesundheit.