BerlinDer brandenburgische Standort für das Stasiunterlagen-Archiv wird Frankfurt (Oder) sein. Das geht aus einem Beschluss des Bundestags über den Wechsel der Stasiunterlagen ins Bundesarchiv hervor. Eine neue Außenstelle ist in Cottbus vorgesehen. Sie soll nach Auskunft der Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Sylvia Wähling, auf dem Gelände des Menschenrechtszentrums in der Stadt angesiedelt sein.

Der Vorsitzende des Zentrums und frühere brandenburgische Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski begrüßte die Entscheidung. Nachwachsende Generationen sollten in die Lage versetzt werden, den Wert der Demokratie wertzuschätzen und dafür einzutreten, so Dombrowski. Er war Mitte der 1970er-Jahre wegen Republikflucht selbst in Cottbus inhaftiert. Durch die Überführung der Akten ins Bundesarchiv sind Stasiunterlagen künftig auch in Westdeutschland einsehbar.

Entscheidung war lange unklar

In Brandenburg war lange offen, wo das Stasi-Unterlagenarchiv seinen Sitz haben soll. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sah die Entscheidung beim Bund, die Bundesregierung sah sie bei der Stasi-Unterlagenbehörde und beim Land. Woidke schrieb Kulturstaatsministerin Monika Grütters 2019,  in Frankfurt (Oder) gebe es auf einer Liegenschaft des Bundes eine voll funktionstüchtige Außenstelle. Cottbus wiederum könne mit dem Menschenrechtszentrum einen authentischen Ort beziehungsweise eine Gedenkstätte mit großem erinnerungskulturellem Potenzial vorweisen.

Letztlich bat Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, die Frage nach der Außenstelle in Brandenburg im Einvernehmen mit der brandenburgischen Landesregierung zu klären. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR, kurz Stasi, bespitzelte die eigenen Bürger und sammelte auch Informationen im Ausland. Das Ministerium wurde 1950 gegründet und im März 1990 aufgelöst.