Paris - Während der Corona-Pandemie hat Frankreich einen massiven Anstieg von Vergewaltigungen und Gewalt in der Familie verzeichnet: 2020 wurden elf Prozent mehr Vergewaltigungen angezeigt sowie neun Prozent mehr Fälle innerfamiliärer Gewalt, wie das Innenministerium in Paris am Donnerstag mitteilte. Die Regierung sieht demnach einen „Zusammenhang mit der Gesundheitskrise“.

Der Anstieg sei auffällig, da die meisten anderen kriminellen Delikte in der Corona-Pandemie rückläufig seien, hieß es in der Analyse des französischen Innenministeriums. So gingen etwa Einbrüche und Diebstähle um knapp 60 Prozent zurück.

Bereits im Zuge der MeToo-Debatte hatten sich in den vergangenen Jahren in Frankreich deutlich mehr Vergewaltigungsopfer gemeldet. 2019 betrug der Anstieg 19 Prozent, ein Jahr zuvor 18 Prozent. Während der beiden Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr verzeichnete Frankreich dann erneut eine Zunahme häuslicher Gewalt. Dabei geht es in der Statistik des Innenministeriums nur um gemeldete Fälle, Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Regierung hat angesichts der Entwicklung die Gesetze verschärft: Unter anderem können Ärzte ihr Schweigegelübde brechen, wenn Gefahr für ein Gewaltopfer besteht. Zudem wurde eine neue landesweite Notrufnummer für misshandelte Frauen geschaltet.